Besser bloggen lernen: 5 Regeln für einen guten Stil

Besser bloggen lernen: 5 Regeln für einen guten StilDer Unternehmens-Blog hat Blütezeit. Jeder weiß, wie wichtig das Bloggen ist und zahlreiche Firmen machen es mittlerweile.

Das Handwerk Schreiben hat damit einen deutlich höheren Stellenwert erlangt.

Wer nicht schreibt, verliert. Wer so schlecht schreibt, dass keiner es lesen mag, aber auch.

Ich bin Online-Redakteurin bei HOPPE7 – Agentur für Inbound Marketing.

Ein großer Teil meiner Arbeit liegt aber nicht im Schreiben selbst, sondern im Korrekturlesen von fremden Texten und der nachfolgenden Textbesprechung mit den betreffenden Autoren.

Und dabei fällt mir eines auf: Es sind immer wieder die selben Fehler, die aus einem eigentlich interessanten Thema einen Text machen, den man am liebsten schnell wieder zur Seite legen möchte.

Und ich spreche hier nicht von Rechtschreib- oder Kommadefiziten, von Fehlern in der Struktur des Textes, von einer möglichen falsch adressierten oder gar nicht vorhandenen Ansprache usw... .

Besser bloggen: Unser Leitfaden für einen erfolgreichen Corporate Blog

Hier geht es erst einmal nur um den Stil. In diesem Bereich haben viele Autoren in spe die gleichen Baustellen, die es zu beackern gilt.

Ich werde heute also einmal aus dem Nähkästchen plaudern.

So:

“Stil ist nicht das Ende des Besens.” So. Tief durchatmen. Nun hab ich den auch rausgehauen. War mir ein Anliegen. Auch wenn der Spruch ein alter Hut ist: Hier geht es schließlich um Stilfragen und er trifft einfach den Nagel auf den Kopf.

oder so:

“Stil ist nicht das Ende des Besens.” Diesen Satz liest man häufig, wenn es um Stilfragen geht. Auch wenn er abgedroschen ist, verwende ich ihn gerne, denn: Er trifft den Nagel auf den Kopf.

Aber nicht so:

Obwohl der Spruch “Stil ist nicht das Ende des Besens” häufig gebraucht wird, wenn es um das Thema “Guter oder schlechter Stil” geht, und damit schon ganz schön abgedroschen klingt, ist meine Entscheidung gefallen, ihn dennoch in diesem Text zu verwenden, weil er meiner Meinung nach, den Nagel auf den Kopf trifft.

Sie haben nun dreimal die selbe inhaltliche Aussage gelesen. Jeweils in unterschiedlicher Tonalität.

Welche Ausgestaltung hat Ihnen am besten gefallen? Der saloppe Tonfall in Nr. 1 oder doch eher die etwas elegantere Version in Nr. 2?

Man kann sagen, dass dies mit Sicherheit eine Geschmacksfrage ist - und darüber lässt sich kaum streiten. Ich wette aber: Niemand (oder zumindest nur ein verschwindend geringer Anteil an Lesern) würde hier die Nr. 3 nennen.

Der Grund hierfür ist einfach: In Nr. 3 wird mit einigen Regeln gebrochen, die essenziell für das Verfassen stilistisch guter Texte sind:

  1. Aktiv statt Passiv
  2. Schachtelsätze vermeiden
  3. Vorsicht vor der UngKeitHeit!

Im Folgenden schauen wir uns genau diese drei Regeln an sowie zwei weitere, die wichtig und ebenso einfach umzusetzen sind.

Alles eine Stilfrage

Enrique Jardiel Poncela sagte:

Wenn etwas leicht zu lesen ist, dann war es schwer zu schreiben.

Meiner Erfahrung nach ist diese Aussage richtig. Häufig zumindest. Seinen Gedanken freien Lauf lassen ist gut - und gerade beim Bloggen wirklich wichtig, denn das, was einen Blogpost unter anderem auszeichnet, ist der gute Schuss Persönlichkeit, der in ihm steckt.

Das ergibt am Ende aber nur dann einen gut lesbaren Text, solange der Schreiber einige Regeln so verinnerlicht hat, dass er automatisch darauf zurückgreift (ohne darüber explizit nachdenken zu müssen).

Dies erfordert ein von Haus aus gutes Sprachgefühl, das einige Menschen zweifelsohne intus haben. Alle anderen - und das ist die Mehrzahl - müssen (und können) sich dieses Sprachgefühl antrainieren.

Dazu gibt es einige einfache Regeln, die – wendet man sie konsequent an – mit der Zeit in die eigene Sprachwelt übergehen.

1. Aktiv statt Passiv

Viele Schreiber neigen dazu Passiv-Sätze zu formulieren. Ein guter Text kommt aber weitgehend ohne diese aus, denn das Passiv klingt oft hölzern.

Zudem ist es deutlich umständlicher zu lesen und nimmt jedem Text ein gutes Stück “Fahrtgeschwindigkeit”.

Falsch: Am 1. November 2015 wird Herr Mustermann von Frau XY zum "Chief of Blogging" ernannt.

Richtig: Frau XY ernennt Herrn Mustermann am 1. November 2015 zum "Chief of Blogging".

2. Ein klares “Nein” zu Schachtelsätzen

Ich lese und lese und dann wird mir mit einem mal klar, dass ich gar nicht mehr weiß, was da nun eigentlich im Text stand. Jeder kennt diese Situation und jeden nervt sie.

Im blödesten Fall vergeht einem gänzlich die Lust am Inhalt.

Der Grund für das inhaltliche Vergessen heißt häufig: Schachtelsatz. Oder noch schlimmer: Viele Schachtelsätze. Verständlich wird das Problem, wenn man sich folgende Texte im Vergleich ansieht:

Falsch: Das Bürogebäude der HOPPE 7 – Agentur für Inbound Marketing, das direkt gegenüber des Bistros Rosarium liegt, wird, nachdem der Winter vorbei ist, orange gestrichen.

Richtig: Gegenüber des Bistros Rosarium beginnen unmittelbar nach dem Winter Malerarbeiten: Das Bürogebäude der HOPPE 7 – Agentur für Inbound Marketing soll künftig in flottem Orange erstrahlen!

3. Vorsicht vor der UngKeitHeit!

Während meines Studiums absolvierte ich ein Praktikum bei einer regionalen Tageszeitung. Dort nahm mich gleich zu Anfang eine erfahrene Redakteurin unter ihre Fittiche.

Eines der ersten Dinge, die sie mir damals mit erhobenem Zeigefinger mit auf den Weg gab: “Vorsicht vor der UngKeitHeit!” “Vor der …. was?”

Was sich anhört wie ein drohendes Ungetüm, ist tatsächlich etwas, was jeder Autor im Hinterkopf behalten sollte: Gemeint sind damit Begriffe, die auf - ung, -keit oder -heit enden. Sie sind einzeln für sich stehend kein großes Problem. Kommen sie aber gehäuft vor, gehen sie zu Lasten der Textschönheit.

Oder finden Sie diesen Absatz wirklich schön?

“Was für eine Frechheit!”, empörte sich die Frau über die mangelnde Freundlichkeit der Bedienung. Sie fasste die Wortwahl dieser als Beleidigung auf und verlangte umgehend eine Entschuldigung.

Wie leicht es ist, die UngKeitHeit zu vermeiden, zeigt folgendes Beispiel:

Falsch: Studien zeigen die Wichtigkeit des Bloggens für Unternehmen auf.

Richtig: Studien zeigen: Bloggen ist wichtig für Unternehmen.

4. Verneinungen vermeiden

Ja zum Ja! So einfach ist das. Verneinungen machen das Lesen nur unnötig kompliziert, weil der Rezipient um’s Eck denken muss.

Schauen Sie sich mal folgendes Beispiel an:

Falsch: Das Verfassen des Blogbeitrags verlief nicht ohne Schwierigkeiten.

Richtig: Das Verfassen des Blogbeitrags bereitete Michael Probleme.

Oder: Michael hatte Probleme beim Verfassen des Blogbeitrags.

Die Versionen ohne Verneinung sind nicht nur besser lesbar, sie bieten noch ein weiteres Plus: Der Rezipient bekommt eine weitere Information, nämlich WEM das Schreiben Probleme bereitete: Michael. Und das, ohne den Text dafür in die Länge ziehen zu müssen.

5. Keine Wiederholungen verwenden

Es ist nicht immer möglich Wiederholungen in Gänze zu vermeiden. Wenn ich einen Text zum Thema “Inbound Marketing” schreibe, komme ich nicht umhin, diesen Begriff mehrfach zu verwenden.

Leider gibt es ab und an auch Begriffe (“Inbound Marketing” gehört dazu), für die kein wirklich zu 100 Prozent treffendes Synonym existiert.

Aber auch hier habe ich die Möglichkeit, meine Formulierungen so zu wählen, dass ich weitestgehend ohne aufeinanderfolgende Wortwiederholung auskomme.

Ich könnte beispielsweise schreiben:

Inbound Marketing arbeitet mit Buyer Personas. Diese sind das Fundament, auf dem die Methode aufbaut. Wer also auf diese Strategie setzt, tut gut daran usw….”

Ein besonders eingängiges Beispiel ist auch dieses hier:

Falsch: In seinen Blogposts befasst sich der Blogger XY mit dem Thema Marketing.

Richtig: In seinen Texten befasst sich der Blogger XY mit dem Thema Marketing.

Am einfachsten ist es natürlich, wenn ich einen Begriff durch ein richtiges, echtes Synonym ersetzen kann. Dies ist zum Beispiel bei folgenden Wörtern der Fall: Junge - Bub, sich streiten - sich zanken etc.

Ein erlernbares Handwerk

Das Handwerk Schreiben. Vielleicht haben Sie sich über diese Ausdrucksweise gewundert, die ich im Vorspann dieses Textes verwendet habe.

Viele meinen ja, es sei eine Art “Veranlagung” oder “Gabe” gut schreiben zu können. Und das stimmt - bei einigen Wenigen: Shakespeare gehört vermutlich dazu. Und Goethe.

Das, was man aber braucht, um den eigenen Unternehmensblog zum Erfolg zu führen, fällt unter eine andere Kategorie: Schreiben in guter Qualität - und das ist so erlernbar wie jedes andere Handwerk auch.

Eine kleine Anmerkung zum Schluss: Natürlich gelten diese 5 Regeln nicht nur für das besser Bloggen, sondern sind allgemein wertvolle Leitlinien für das Schreiben.

Für das Schreiben eines Blogposts sind diese aber immens wichtig, denn: Bei einem schlechten Text in der Zeitung, drückt der Rezipient auch mal ein Auge zu (er hat das Papier schließlich bezahlt und in der Hand).

Eine Internetseite hingegen ist ganz schnell mal weggeklickt und durch eine andere ersetzt.

Wer also dauerhaft eine Leserschaft an seinen Unternehmens-Blog binden möchte, muss durchgängig gute Qualität liefern. Und diese ist immer auch eine Frage des Stils.

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Veröffentlicht am 22.10.2015 und zuletzt aktualisiert am 20.03.2017

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