Coaching – was ist das eigentlich?

Coaching

  • Ein schillernder Allerweltsbegriff, der leider derzeit für alles mögliche Verwendung findet.
  • Der Königsweg in der Personalentwicklung, der nicht umsonst vor allem in der Beratung von Führungskräften eingesetzt wird.

Zwischen diesen beiden Polen ist alles angesiedelt, was man aktuell unter „Coaching“ versteht. In der professionellen Beratungsszene hat man sich inzwischen auf einige Eckpunkte verständigt, aber auch diese sind immer wieder und immer noch in Bewegung. Fangen wir doch erst mal bei den Argumenten an, die für Coaching sprechen, beim Nutzen, den diese Beratungsform liefern kann:

Weiterbildung

Coaching ist eine sehr individuelle Form der Weiterbildung. Ich habe bisher mit meinen Klienten einen unglaublich bunten Strauß an Themen erlebt, auch wenn sich manche Gesprächsschwerpunkte doch öfter wiederholen (was in der Natur einer Führungsposition bedingt ist). Leute, die schon länger und auch erfolgreich im Job sind, brauchen nur in wenigen Bereichen noch „Basics“, sie haben in der Regel ihr Handwerk gelernt und kennen das Instrumentarium des Managements. Sie haben aber auch die Erfahrung zu machen, dass irgendwann die Gesprächspartner rar werden.

Mit den Mitarbeitern kann man nicht über alles reden, man muss diese ja womöglich bei nächster Gelegenheit auch mal sanktionieren. Mit den Chefs geht es auch nur bedingt („Führung nach oben“), deren Job ist ja auch die Kontrolle der Führungskräfte. Lebenspartner sind zwar in der Regel wohlwollend, hören zu und stärken einem den Rücken. Aber die beruflichen Zusammenhänge können sie auch oft gar nicht in aller Tragweite verstehen, außerdem fehlt die nötige Distanz - die Interessen der Familie spielen in solchen Gesprächen zu Hause halt auch gleich eine wichtige Rolle. So unterschiedlich also die Menschen sind, die sich von einem Coach Unterstützung holen, so unterschiedlich sind auch die Schwerpunkte, die Verläufe und auch die Ergebnisse von Coaching.

Entwicklung

Coaching ist eine sehr wirksame Form der Weiterentwicklung. Die gelungene Beziehung zwischen Klienten und Coach erlaubt es, wirklich die relevanten Ansatzpunkte zu finden und zu bearbeiten, blinde Flecken werden hier eben nicht ausgespart. Der Coach wird es im Gegenteil verstehen, dem Klienten genau beim Aufspüren der relevanten „tipping-points“ zu helfen. In der Regel geschieht das durch respektvolle, aber auch zielführende Fragen, durch ein intensives und wohlwollendes Zuhören, durch professionelles Feedback, das der Klient in seiner übrigen Berufswelt nur noch äußerst selten bekommen kann.

Auch Chefs haben Wünsche, Ängste, Sehnsüchte … und diese spielen im Führungsalltag sehr wohl eine wichtige Rolle, auch wenn sie oft mal im Verborgenen wirken. Im Coaching finden diese Seiten der Persönlichkeit auch ihren Ausdruck, sie können bei Bedarf dem Bewusstsein zugänglicher gemacht werden, der Klient gewinnt Freiheit. Neben den „offenen Enden“ sind es aber oft auch Hilfen bei der Strukturierung von oft komplexen geschäftlichen Zusammenhängen. Als Manger sieht man oft mal den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr...

Ein guter Coach kann bei der Klärung von und beim Umgang mit Komplexität sehr hilfreich sein, er kann den Klienten dabei unterstützen, „mal wieder in Ruhe über alles nachzudenken“. Dieses Feedback bekomme ich jedenfalls von Klienten immer wieder zu hören.

Klärung

Coaching ist eine sehr effiziente Variante der beruflichen Klärung. Der Kosten/Nutzen-Aspekt spielt ja in allen geschäftlichen Belangen eine wichtige Rolle, insofern muss sich auch Coaching die Frage gefallen lassen, wie „rentabel“ diese Investition denn eigentlich ist. Den erst mal scheinbar hohen Kosten dieser 1:1 Beratungsform steht allerdings die Tragweite gegenüber, die mit guten Entscheidungen des Managements fast immer verbunden ist. Man muss sich nur mal vergegenwärtigen, welche Auswirkungen richtige oder falsche Personalentscheidungen oder strategische Weichenstellungen für die ganze Organisation haben.  Wenn hier auch nur scheinbar kleine Optimierungen durch Coaching wirksam werden, ist die Investition schnell wieder amortisiert, meistens „rentiert“ sie sich zig-fach. Coaching verläuft in der klassischen Form ja nach wie vor im Face-to-Face-Setting, das heißt entweder der Coach oder der Klient hat damit einen nicht unerheblichen Reise- und sonstigen Zeitaufwand und die damit verbundenen Kosten. Die Zeit von Führungskräften ist ansonsten ja auch oft „teurer“ also die des Coaches, ein Manager muss sich also genau überlegen, ob die Zeit für das Coaching wirklich gut investiert ist. In neuerer Zeit finden allerdings immer häufiger auch virtuelle Coaching-Varianten Platz und Anerkennung, einige Anteile von Coachingprozessen können sehr gut auch am Telefon oder mit Hilfe von Online-Kommunikation bearbeitet werden. Diese Erweiterungen machen auch Coaching für mittlere oder untere Führungsebenen erschwinglich und rentabel.

Lösungen

Coaching ist sehr ziel- und lösungsorientiert. Die Balance zwischen der Suche nach Ursachen für Probleme und den möglichen Lösungswegen ist in jedem Coachingprozess immer wieder neu zu finden. Das Verständnis der Vergangenheit ist manchmal sinnvoll und hilfreich, allerdings kann man rückwirkend auf jeden Fall nichts mehr „ändern“, man kann sich aber sehr wohl in eine Art „Problem-Trance“ reden und sich darin auch verfangen.

Insofern hat sich die Lösungs- und Zielorientierung im Coaching zu Recht einen festen Platz erobert, sie ist geradezu ein Kennzeichen von professionellem Coaching. Das Nachdenken über Zielzustände, über Teilschritte auf dem Weg zu diesen Zielen, und über notwendige Ressourcen für diesen Weg - das sind also ganz wesentliche Bausteine eines gelungenen Coachings. Ein guter Coach hilft seinen Klienten genau dabei, und er unterstützt sie auf der Suche nach der eigenen Wirksamkeit, nach Ansatzpunkten also, die im eigenen Handlungsspielraum liegen. Auch gute Manger unterliegen immer wieder der Versuchung, Wirkfaktoren „nach außen“ zu attribuieren, die Schuld für Probleme also beim Markt, bei den Mitarbeitern, beim Chef, bei den Wettbewerbern etc. zu suchen und den eigenen Handlungsspielraum nicht mehr zu sehen.

Bereicherung

Coaching ist nicht zuletzt einfach bereichernd - und zwar auf allen möglichen Ebenen. Einige meiner Klienten empfinden es als einen großen Luxus, dass sie sich Coaching gönnen können. Eine gute, vertrauensvolle und anregende Beziehung ist für beide Seiten eine Erweiterung, die gemeinsame Reflexion ist herausfordernd aber auch sehr befriedigend.

Auch wenn professionelles Coaching per Definition auf berufliche Themen fokussiert, ist immer der ganze Mensch involviert. Wenn jemand im Job große Probleme bei Konflikten hat, hat er diese möglicherweise auch sonst im Leben, und er kann - aus der beruflichen Anforderung heraus - für sich hilfreiche Perspektiven und Strategien entwickeln, die ihm auch in seinen anderen Lebensbereichen nützlich sind. Gute Coachingsitzungen verlaufen oft spannend, nachdenklich, manchmal emotional, sie sind sogar eine Art (nützliches) Spiel mit Kommunikation und Reflexion.

Coaching

Veröffentlicht am 02.02.2014 und zuletzt aktualisiert am 19.07.2016