Content-Erstellung für Einsteiger: Das Interview-Merkblatt

content-erstellungWenn Menschen, die nicht täglich texten, plötzlich Blogposts verfassen und Interviews führen sollen, verunsichert sie das naturgemäß erst einmal.

Wahrscheinlich geht es Ihnen auch so. Die Frage, die berechtigterweise auftaucht, lautet schlicht: Wie macht man das eigentlich? Wie klingt ein „guter“ Text? Worauf sollten ich beim Führen eines Interviews achten? 

Vor allem die Hemmung vor dem ersten Interview kann ich gut verstehen. Wenn man lediglich einen Text schreibt, kann man ihn im stillen Kämmerlein zurechtfeilen, bis er passt und bei einem Fehlstart landet das Ganze im realen oder virtuellen Papierkorb.

Beim Interview ist da aber ein Gegenüber, auf das man professionell wirken will. Von dem man sich wichtige Antworten möglichst ohne Umschweife wünscht und auf dessen Aussagen man idealerweise mit gezielten Nachfragen eingehen sollte.

Wie kriegt man das hin?

Die Fragebogen-Methode

Natürlich kann man es sich bei der Content-Erstellung für den Anfang einfach machen und dem Interviewpartner ein paar Fragen per E-Mail schicken, die dieser dann schriftlich beantwortet.

Das ist nicht per se verkehrt, und wenn jemand schlecht telefonisch oder persönlich schlecht zu erreichen ist, man aber unbedingt Informationen von ihm haben möchte, kann man immer noch auf diese Methode zurückgreifen.

Die Nachteile: Geschriebene Antworten wirken immer weniger lebendig als solche, die der Interviewte mündlich gegeben hat und die Sie lediglich transkribieren und leicht korrigieren. Wenn Sie Pech haben, schreibt der Interviewpartner seine Antworten 1:1 aus einer Pressemitteilung oder Broschüre seines Unternehmens ab und weder Sie noch die Leser ziehen daraus einen großen Erkenntnisgewinn.

Das „richtige“ Interview

Früher oder später muss man sich in Echtzeit dem Live-Interview stellen. Um dieses Interview möglichst gut vorzubereiten und so die Fehlerquellen möglichst gering zu halten, gebe ich Bloggern gern eine Hilfe in Form eines Merkblattes an die Hand. Die Punkte, die ich darauf empfehle, sehen Sie hier:

Vorbereitung

1. Immer an die Buyer Persona denken

  • Welche Fragen bewegen die- oder denjenigen?
  • In welche einzelnen Teilfragen kann man diese wiederum unterteilen? Diese Fragen notieren.  

2. Genug Fragen vorbereiten

Um eine DINA4 –Standardseite Interviewtext zu erhalten, braucht man in der Regel 4-6 Fragen, je nachdem, wie gesprächig der Interviewpartner ist.

3. Festhalten der Antworten vorbereiten

a) Per Aufnahme-App

Am einfachsten ist es, das Interview ganz einfach mit dem Smartphone aufzuzeichnen und anschließend zu transkribieren. So entgeht Ihnen garantiert nichts.

Am besten machen Sie sich bereits im Vorfeld mit der App vertraut, die Sie verwenden wollen, um zu wissen, wie Sie die Lautstärke einstellen müssen und wie nah der Sprecher am Gerät sein muss. Auch Telefoninterviews lassen sich so aufzeichnen.

ACHTUNG: Wenn Sie die Aussagen von jemandem aufzeichnen, immer am Anfang klar auf die Aufzeichnung hinweisen. Sie sind ja nicht die NSA ... 

b) Stichpunktartig mitschreiben

Hierfür muss man ziemlich flink sein, die Gefahr besteht, dass einem beim Aufschreiben Details verloren gehen. Die Stichpunkte deshalb möglichst zeitnah nach dem Interview wieder in ganze Sätzen ausformulieren und niederschreiben, sonst vergisst man leicht, in welchem Zusammenhang man sie notiert hat.

Durchführung

1. „Dumm stellen“

Klingt komisch, ist aber hilfreich. Lassen Sie sich vom Interviewpartner ruhig ausführlich erklären, wonach sie ihn gefragt haben. Bitten Sie ihn darum, Fachbegriffe zu erklären. Auch wenn Sie selbst vielleicht schon einiges davon wissen, für die Leser kann die Information trotzdem wichtig sein.

2. Spontan nachfragen

Schneidet der Interviewpartner ein Themenaspekt an, der Ihnen vorher nicht bewusst war, aber auch interessant ist: Spontan nachfragen und die Information mitnehmen. Kürzen kann man das Interview später immer noch.

3. Die Länge der Antworten steuern

Geht nicht? Geht doch, in gewissem Umfang jedenfalls. Wer kurze und präzise Fragen stellt, bekommt in der Regel ebensolche Antworten. Verschachtelte Antworten laden zu ebenso komplizierten Antworten ein - und wenn es nur daran liegt, dass der Interviewpartner die Frage gar nicht verstanden hat.

4. Bei Unklarheiten: Nachhaken

Wenn Sie die Antwort Ihres Interviewpartners nicht ganz verstehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es die Buyer Personas auch nicht tun werden. Deshalb im Zweifelsfall lieber nachfragen, bis man selbst das Gefühl hat, alle Aspekte verstanden zu haben.

Motto: Es gibt keine dummen Fragen.

5. Alle vorbereiteten Fragen stellen

Auch wenn Sie das Gefühl haben, die ersten drei Antworten würden schon für einen Artikel reichen: Stellen Sie trotzdem alle geplanten Fragen. Sonst entgehen Ihnen vielleicht wichtige Aspekte des Themas. Wird das Interview sehr lang, kann man immer noch zwei oder mehr Teile daraus machen.

6. Den Interviewpartner um Zusendung eines veröffentlichungstauglichen Bildes von ihm oder ihr bitten.

Nachbereitung

1. Unklarheiten nachträglich klären

Manchmal fällt dem Interviewer im Nachhinein auf, dass eine Antwort unklar ist oder eine wichtige Frage nicht gestellt wurde. Dann einfach ohne Hemmungen per Anruf oder E-Mail klären. Die meisten Interviewpartner wissen, dass sich manche Fragen eben erst im Nachhinein ergeben.

2. Zu lange Antworten aufteilen

Wenn eine Antwort sehr lang ist, liegt das oft daran, dass die Frage sehr allgemein gehalten ist. Meist deckt die Antwort dann mehrere Facetten eines Themas ab. Teilen Sie die Antwort dann in mehrere Antworten auf und „erfinden“ Sie im Nachhinein dazu passende Teilfragen.

3. Sprachliche Bearbeitung

Zu lange oder verschachtelte Sätze in mehrere kurze unterteilen, Überflüssiges und Wiederholungen streichen, prüfen, ob Antworten wirklich zu den Fragen passen (ggf. anders zuordnen).

Dabei sollten Sie natürlich darauf achten, dass der Sinn von Äußerungen nicht verfälscht wird.

4. Freigabe des Interviewpartners einholen

Hierzu sind Sie zwar rechtlich nicht verpflichtet, im Interesse der Beziehungspflege ist es aber vor allem bei stark bearbeiteten Interviews sinnvoll, den Inhalt vor Veröffentlichung noch einmal dem Interviewten zur Freigabe zu schicken und Änderungswünsche aufzunehmen.

Soweit mein Merkblatt. Welche Erfahrungen haben Sie oder Ihre Mitarbeiter bei Ihren ersten Interviews gemacht? Gibt es einen Tipp, den ich vergessen habe? Ich freue mich auf Feedback in den Kommentaren! 

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Veröffentlicht am 18.11.2014 und zuletzt aktualisiert am 06.02.2017

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