Datenschutz auf einen Blick? Der Haken an der Sache mit dem One-Pager...

datenschutz_one-pager_datenschutzerklarung_webinar_webinar_datenschutz_hoppe7Haben Sie schon mal eine komplette Datenschutzerklärung gelesen, um zu wissen, was mit Ihren persönlichen Daten geschieht?

Wahrscheinlich nicht. Nur die wenigsten Internetuser dürften sich die Mühe machen, einen derart langen, unübersichtlichen und oft unverständlichen Fließtext online zu lesen.

Auch unsere Erklärung zum Datenschutz zieht sich mit 1700 Wörtern über knapp vier DIN A4-Seiten hin. Nicht, weil wir mit Ihren Daten Schindluder betreiben und das möglichst gut verschleiern wollen. Sondern weil es schlichtweg unmöglich ist, den umfangreichen gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden.

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Oder, wenn es nach dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) geht, war es unmöglich. Denn das BMJV hat nun eine frei verfügbare Muster-Datenschutzerklärung veröffentlicht, die auf eine Seite passt und so "einfache, konzentrierte Information über die wesentlichen Datenverarbeitungen" ermöglichen soll.

Transparente Datenschutzhinweise?

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz Ulrich Kelber ist voller Lob für diese Mustererklärung:

"Wahlfreiheit, Selbstbestimmung und Datenschutz in der digitalen Welt gehen nur mit solchen Verbraucherinformationen, die genauso einfach sind, wie die Bestellprozesse im Internet. Der heute vorgestellte One-Pager ist ein wichtiges Ergebnis des IT-Gipfels. Ich bin froh, dass es gelungen ist, gemeinsam mit Unternehmen und Verbraucherschützern eine Antwort darauf zu geben, wie wir Datenschutzinformationen transparenter und verständlicher gestalten können. Wir hoffen, dass möglichst viele Unternehmen künftig den hier entwickelten One-Pager verwenden."

Übersichtlich, leicht verständlich und transparent? Und das alles auf nur einer Seite? Das klingt doch fast zu schön um wahr zu sein!

Und das ist es bei näherer Betrachtung auch. Denn um den One-Pager tatsächlich auf eine einzige Seite zu bekommen bediente man sich im Bundesministerium eines einfachen Tricks:

Die Muster-Datenschutzerklärung enthält bei weitem nicht alle Pflichtangaben, sondern verlinkt diese nur bzw. zeigt sie via Mouseover an.

Statt also eines echten One-Pagers erhält man eine Datenschutzerklärung auf verschiedenen Ebenen. Inwieweit das der gewünschten Transparenz zuträglich ist darf bezweifelt werden.

Mouseover rechtlich kaum haltbar

Zudem habe ich Zweifel an der Zulässigkeit der Mouseover-Funktion in diesem Zusammenhang. Immerhin haben bereits mehrere deutsche Gerichte Mouseover-Effekte als nicht ausreichend für die Darstellung von Versandkosten, Grundpreisen und zur Erläuterung bestimmter Werbeanzeigen.

Ob das Verfahren nach diesen Präzedenzurteilen gerade beim sensiblen Thema Datenschutz haltbar ist wage ich zu bezweifeln. Und auch das BMJV scheint sich seiner Sache nicht allzu sicher zu sein, immerhin übernimmt es keine Haftung für die Muster-Datenschutzerklärung (es schließt diese zwar auch nicht ausdrücklich aus, gewährt sie aber eben auch nicht).

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Veröffentlicht am 01.12.2015 und zuletzt aktualisiert am 06.02.2017

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