Grundlagen der Teamführung I – Führungskraft und Führungsstil

Dieser Blogpost ist Teil 1 unsererer Serie Teamführung

Die Führungskraft führt das Team - mit dem passenden Führungsstil.Gerade in Online-Marketingabteilungen und -agenturen haben oft noch recht junge Angestellte bereits Führungsverantwortung.

Gute Teamführung und -management wird allerdings den wenigsten von uns bereits in die Wiege gelegt. Und das, was an Universitäten und Seminaren zu dem Thema gelehrt wird geht oft an der Realität in der modernen Arbeitswelt vorbei.

Es gilt also, den Spagat zwischen dem traditionellen Führungsstil und den Anforderungen in der alltäglichen Praxis zu schaffen. Doch wie geht das? 

Um Ihnen zu helfen, Ihren ganz individuellen, zu Ihnen passenden Führungsstil zu entwickeln, werfen wir zunächst einen Blick auf die klassischen Modelle, wie sie von der Soziologie beschrieben werden:

Das Menschenbild der Führungskraft

Wie Sie Ihr Team betrachten und auch führen hängt stark von Ihrem eigenen Menschenbild ab.

Douglas McGregor, Professor für Management am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und einer der Gründerväter des zeitgenössischen Managementgedankens stellte 1960 die Management-Theorien X und Y auf.

  • Theorie X geht davon aus, dass der Mensch von Natur aus faul ist. Er versucht, Arbeit zu vermeiden und ist demzufolge nur durch äußere Anreize zu motivieren beziehungsweise zu sanktionieren. Er will geführt werden, scheut die Verantwortung und muss zur Arbeit gezwungen werden.
    Vorgesetzte, bei denen das Menschenbild von Theorie X vorherrscht, haben meist einen autoritären Führungsstil
  • Theorie Y steht im krassen Gegensatz dazu und geht davon aus, dass der Mensch von Natur aus ehrgeizig ist, etwas erreichen will und Zufriedenheit aus Arbeit schöpft. Er möchte Verantwortung übernehmen und sich selbst verwirklichen. Identifiziert sich ein Mensch mit seinem Arbeitgeber, so braucht es keine Motivation von außen mehr, um ihn zu Bestleistungen anzuspornen.
    Eine Führungskraft mit dem Menschenbild der Theorie Y vertritt in der Regel einen kooperativen oder partizipativen Führungsstil

Da sich die beiden Theorien gegenseitig ausschließen, stellte McGregor 1964 auf Druck seiner Kritiker schließlich die Theorie Z auf, derzufolge Menschen sowohl X als auch Y sein können.

Welche der beiden Theorien entspricht mehr Ihrer Sicht auf die Menschen? Die Antwort auf diese Frage liefert Ihnen bereits einen ersten Hinweis auf die Art der Führung, die eher Ihrem Naturell als Führungskraft entspricht.

Die Führungsstile

Um zu verdeutlichen, wie sich Führungsstile unterscheiden, ist das zweidimensionale Modell von Tannenbaum und Schmidt gut geeignet.

Fhrungsstile_nach_Tannenbaum_und_Schmidt

(1) Der Vorgesetzte entscheidet autoritär, setzt seine Befehle durch. 

(2) Der Vorgesetzte entscheidet, versucht dabei aber, seine Mitarbeiter von seiner Entscheidung zu überzeugen, bevor er sie durchsetzt. 

(3) Der Vorgesetzt entscheidet, bittet jedoch um Fragen zu den Entscheidungen. Ziel: Akzeptanz der Entscheidung beim Team. 

(4) Der Vorgesetzte informiert sein Team über beabsichtigte Entscheidungen und hört sich die Mitarbeitermeinungen an, bevor er entscheidet. 

(5) Die Mitarbeiter entwickeln Vorschläge, der Vorgesetzte entscheidet. 

(6) Das Team entscheidet, nachdem der Vorgesetzte die Probleme aufgezeigt und die Grenzen des Entscheidungsspielraums festgelegt hat. 

(7) Die Mitarbeiter entscheiden autonom. 

Je größer der Entscheidungsspielraum der Mitarbeiter, desto mehr wendet sich der Führungsstil vom autoritären hin zum autonomen.

Wo auf der Skala von 1 bis 7 finden Sie Ihren Führungsstil wieder?

Übrigens: Keiner dieser Führungsstile ist nur schlecht oder nur gut. Ganz im Gegenteil!

Die Wissenschaftler Hersey und Blanchard empfehlen, je nach Reifegrad des Mitarbeiters einen anderen Führungsstil anzuwenden. Ihr sogenanntes Reifegradmodell gilt als eines der Basismodelle von Führungstheorien und kann als Unterstützung bei der Beurteilung von Mitarbeitern dienen bzw. Hinweise geben, wie man welchen Mitarbeiter am besten motiviert. 

Das Reifegradmodell von Hersey/Blanchard 

Das Reifegradmodell besagt, dass je nach Reifegrad des Mitarbeiters (M1 = niedrig bis M4 = hoch) die Aufgabenorientierung (der Vorgesetzte sagt, was zu tun ist und welche Ziele erreicht werden sollen) beziehungsweise die Beziehungsorientierung (der Vorgesetzte bemüht sich um Teamarbeit und Konsens) des Führungsstils im Vordergrund stehen soll.

Der Reifegrad des Mitarbeiters ist dabei ein Zusammenspiel aus seinen professionellen Fähigkeiten und seiner Motivation.        

  • S1 ~ autoritärer Führungsstil:
    Empfehlenswert bei einem Mitarbeiter mit eher niedrigem Reifegrad. Der Führungsstil sollte stark aufgabenorientiert und nur wenig beziehungsorientiert sein. Geben Sie genaue Anweisungen und überwachen Sie die Leistung.
  • S2 ~ integrierender Führungsstil:
    Empfehlenswert bei mittlerem Reifegrad des Mitarbeiters. Sowohl Aufgabenorientierung als auch Beziehungsorientierung sollten relativ hoch sein. Erklären Sie Entscheidungen und geben Sie Gelegenheit für Klärungsfragen.
  • S3 ~ partizipativer Führungsstil:
    Empfehlenswert bei Mitarbeitern mit höherem Reifegrad. Dieser Führungsstil zeichnet sich durch hohe Beziehungsorientierung und eher niedrige Aufgabenorientierung aus. Teilen Sie Ideen mit und ermutigen Sie, selbstständig Entscheidungen zu treffen.  
  • S4 ~ Delegationsstil:
    Empfehlenswert bei Mitarbeitern mit einem sehr hohen Reifegrad. Hier kann sich der Vorgesetzte bei seinen Führungsaufgaben zurücknehmen. Übergeben Sie die Verantwortung zur Entscheidungsfindung und Durchführung einzelner Projekte.

Wie Sie die verschiedenen Mitarbeitertypen motivieren und anleiten können, was es beim Teambuilding zu beachten gilt und wie Sie mit Teamkonflikten umgehen bzw. diesen vorbeugen, erfahren Sie in den nächsten Teilen dieser Serie!

Social Selling Webinar

Veröffentlicht am 18.05.2015 und zuletzt aktualisiert am 16.02.2017