Grundlagen der Teamführung IV – Persönlichkeitsorientierte Führung

Dieser Blogpost ist Teil 4 unsererer Serie Teamführung

Persönlichkeitsorientierte_Führung.jpg"Eine Mannschaft ist nur so gut wie ihr schwächster Spieler" – diese alte Fußballweisheit gilt auch bei der Teamarbeit. Denn selbst, wenn Sie es mit großartiger Führungsarbeit geschafft haben, dass Ihr Team als Einheit arbeitet und funktioniert, so dürfen Sie eines nicht außer Acht lassen:

Selbst ein perfekt eingespieltes Team besteht aus lauter individuellen Persönlichkeiten mit verschiedenen Stärken und Schwächen, denen Sie als Führungskraft ebenso individuell begegnen müssen.

"Aus welchen Mitarbeitern besteht mein Team?"

Auch wenn Schubladendenken im Allgemeinen verpönt ist, kann es für Sie überaus hilfreich sein, die einzelnen Teammitglieder verschiedenen Mitarbeitertypen zuzuordnen.

Welche Motive treiben den Einzelnen an? Wie kann ich seine Leistungsbereitschaft und -fähigkeit optimal aktivieren? Wie sieht seine Karriereplanung aus? Was erwartet er von mir? Wieviel Loyalität kann ich von ihm erwarten?

All diese Fragen können Sie viel leichter beantworten, wenn Sie Ihre Teammitglieder in ihre jeweilige Schublade gesteckt haben.

Damit Sie diese Kategorisierung vornehmen können, brauchen Sie vor allem Informationen. Studieren Sie dazu einmal Personalakten und Lebensläufe Ihrer Teammitglieder, führen Sie Mitarbeitergespräche und vor allem: Hören Sie zu! Selbst ein rein dienstliches Gespräch verrät zwischen den Zeilen sehr viel über Ihren Gesprächspartner.

Sollten Sie dennoch unsicher sein, können Sie sich auch von einem Persönlichkeitstest bei Ihrer Einschätzung unterstützen lassen. Das "Big-Five-Modell" beispielsweise liefert hilfreiche Ergebnisse und ist schnell und kostenlos online verfügbar.

Führungsverhalten gegenüber unterschiedlichen Mitarbeitertypen

Sie haben Ihre Mitarbeiter eingehend durchleuchtet, brauchen aber jetzt noch ein Schild, dass Sie an die jeweilige Schublade kleben können?

Bitteschön, hier die gängigsten Mitarbeitertypen, wie sie von der Psychologie so oder ähnlich definiert werden:

Das Schaf

Das Schaf ist sehr einfach zu führen, es wird Ihnen folgen, schlicht weil Sie der Hirte sind. Ihre Führung wird vom Schaf niemals in Frage gestellt werden, Rebellion und Querulantentum brauchen Sie aus dieser Ecke nie befürchten.

Das klingt für Sie nach dem idealen Mitarbeiter? Nun ja, alle ihm übertragenen Aufgaben wird das Schaf gewissenhaft erledigen. Aber auch nicht mehr. Eigeninitiative und Kreativität können Sie von diesem Mitarbeiter nicht erwarten.

Zudem ist das Schaf nicht ganz die treue Seele, als die es erscheint. Loyal wird es Ihnen gegenüber nur sein, so lange Sie eindeutig den Hirtenstab in der Hand haben. Bei einem offiziellen oder inoffiziellen Führungswechsel wird es sich umgehend der neuen Führungsfigur anschließen.

Geben Sie dem Schaf klar definierte Aufgaben, um es nicht zu überfordern. Auch Routineaufgaben wird es gerne übernehmen. Wenn Sie ihm jetzt noch deutlich zeigen, dass Sie seine Verlässlichkeit zu schätzen wissen und es als stabilisierendes Teammitglied wichtig ist, springt das Schaf vielleicht sogar über seinen eigenen Schatten und für Sie über Zäune.

Der Aasgeier

Auf den ersten Blick sieht der Aasgeier dem Schaf zum Verwechseln ähnlich. Auch er scheint gutmütig und folgsam, erledigt ihm übertragene Aufgaben pflichtbewusst und wirkt äußerst Loyal.

Hier ist Vorsicht geboten! Denn der Aasgeier ist der geborene Opportunist, der sich immer da aufhält, wo es sich für ihn am meisten lohnt. Er erkennt und durchschaut auch die unsichtbaren Hierarchien schnell und, wie das Fähnlein im Wind, wird er sich von Ihnen abwenden, sobald ein Problem auftaucht.

Er hat keinen eigenen Standpunkt und wird Ihnen, solange Sie unangefochten an der Spitze stehen, immer nach dem Mund reden. Wenn Sie gerade die Karriereleiter hochklettern, wird sich der Aasgeier in Ihrem Windschatten mitziehen lassen.

Weder eine ehrliche Meinung, noch echtes Feedback können Sie von diesem Opportunisten erwarten. Zudem ist ihm sein Image wichtiger als das Abliefern guter Arbeit, er wird sich also, soweit Sie ihm das durchgehen lassen, immer prestigeträchtigen Aufgaben, die kurzfristige Erfolge bringen, widmen.

Das Reh

Egal, ob nun stolzer Zwölfender oder niedliches Bambi: Das Reh ist ein überaus scheuer, unsicherer Geselle. Und wenn es ins Scheinwerferlicht eines Autos gerät, erstarrt es gerne vor Schreck.

Vermitteln Sie dem Reh Sicherheit und Akzeptanz. Zeigen Sie ihm, dass es sich auf Ihre kompetente Führung verlassen kann. Geben Sie ihm, gerade ihn Zeiten von Veränderungen, die Gewissheit, dass alles ok ist und Sie ihm bei Problemen zur Seite stehen.

Wenn Sie es schaffen, die Angstblockaden des Rehs zu lösen, gewinnen Sie in ihm einen absolut loyalen und zuverlässigen Mitarbeiter, der gerne auch mal etwas Mehrarbeit und Überstunden in Kauf nimmt.

Aber setzen Sie es bloß nicht zu sehr unter Druck!

Der Büffel

Voll unerschütterlichem Selbstbewusstsein und scheinbar mit unendlichen Energiereserven ausgestattet – der Büffel ist ein echtes Arbeitstier. Er ist zielstrebig, ergebnisorientiert und nimmt gerne Herausforderungen an.

Er scheut keinen Wettbewerb, stellt sich jeder Konkurrenz und spielt diese auch mal, weniger mutwillig als vielmehr auf Grund der Tatsache, dass er es kann, an die Wand.

Der Büffel eignet sich hervorragend für kniffelige Aufgaben, als Problemlöser und zum Beschreiten neuer Wege. Niemals würde er vor einer Aufgabe kapitulieren, mit seiner enormen Willenskraft schafft er fast alles.

Das Problem beim Büffel: Er weiß um seine Stärke. Und wenn Sie ihm nicht von Anfang an klar und deutlich zeigen, dass Sie in der Hackordnung über ihm stehen, wird er Sie immer wieder herausfordern. Argumentieren Sie ihm gegenüber logisch und seien Sie konsequent, dann kann der Büffel Ihr stärkstes Pferd im Stall werden.

Die Krähe

Nicht besonders groß, nicht besonders stark, nicht besonders eindrucksvoll – auf den ersten Blick macht die Krähe wenig her.

Aber: Krähen sind die intelligentesten Vögel. Aus reiner Freude an Gedankenspielen lösen sie die schwierigsten Rätsel, sind in der Lage, analytisch an jedes Problem heranzugehen und auch noch die verstecktesten Zusammenhänge zu erkennen.

Die Krähe arbeitet stark aufgabenorientiert. Methodisch, strukturiert, gründlich - mit dieser Herangehensweise kann sie sogar die komplexesten und anspruchsvollsten Aufgaben übernehmen.

Noch dazu ist sie überaus teamfähig. Sie behält ihr Wissen nicht für sich, sondern teilt es gerne und ist auch überaus hilfsbereit, wenn andere Schwarmmitglieder in der Klemme stecken.

Das klingt zu schön, um wahr zu sein? Nun, auch die Krähe hat eine Schwäche: Sie langweilt sich furchtbar schnell. Und dann kommt sie auf dumme Gedanken... Wenn Sie ihr aber stets neue Nüsse zu knacken und die Chance auf ständige Weiterentwicklung geben, dann ist sie Ihnen loyal ergeben.

Aus jedem Dorf ein Hund

Und nun? Was machen Sie nach der Einzelanalyse Ihrer Mitarbeiter mit Ihrer buntgemischten Truppe?

Ganz einfach: Seien Sie der unangefochtene Leitwolf, der nach innen mit harter aber gerechter Hand Aufgaben, Belohnungen und Zuneigung verteilt und sein Rudel gegen jeden Angriff von außerhalb heftig verteidigt. Ihr Team wird es Ihnen mit guter Arbeit und treuer Loyalität danken!

Zeitmanagement für Mediaberater

Veröffentlicht am 15.07.2015 und zuletzt aktualisiert am 20.10.2017

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