Nie mehr "ultimative Tipps" – Guter Content braucht keine Superlative

guter_content.jpgIch schreibe oft darüber, wie man guten Content produzieren kann, auf was man dabei achten muss usw. Und vielleicht ist es Ihnen schon aufgefallen: Nur ganz selten werden Sie in meinen Texten Superlative wie “Die 10 besten Tipps für...”, “Die sieben Todsünden im...” und Ähnliches finden – und das, obwohl derlei Titel offenbar ganz gerne geklickt werden.

Ich vermeide es deshalb, weil es mir zum einen persönlich nicht gefällt und zum anderen, weil ich glaube, dass sich das auf lange Sicht gesehen nicht auszahlt.

EILMELDUNG!!!

Wenn ich "Eilmeldung" lese, dann schlägt mein Herz automatisch ein paar Takte schneller. Denn dieses meist auch noch in Signalrot hinterlegte Wort ist ein Begriff dafür, dass etwas Unvorhergesehenes oder zumindest etwas von großem Ausmaß geschehen ist. Etwas, das man wissen sollte – und das keinen Aufschub duldet.

Moment! Ich schrieb, mein Herz schlägt ein paar Takte schneller. Aber das ist falsch. Vielmehr muss es heißen “schlug ein paar Takte schneller”, denn seit kurzem ist der Begriff “Eilmeldung” für mich verbraucht.

Wirkung verpufft! Wie kam’s?

Ein Fußball-Märchen

Eilmeldung!!! Frankreich zieht ins Halbfinale ein! Eilmeldung!!! Portugal steht im Halbfinale!!!! usw.

Als aufmerksamem Internet-User ist es einem in letzter Zeit aufgefallen: Das rot hinterlegte Wort “Eilmeldung!” wurde im Zuge der Fußball-Europameisterschaft 2016 extrem inflationär gebraucht.

Nun ist mir die Bedeutung von Fußball durchaus bewusst, keine Frage, Fußball ist ein wichtiges Thema. Aber: Es war doch bereits vor dem Anpfiff des Halbfinales klar, dass eine der beiden Mannschaften (also entweder Portugal oder Wales) ins Finale kommt.

Weder ist also etwas Unvorhergesehenes geschehen noch etwas von besonders großem Ausmaß.

Vielleicht (aber nur vielleicht) wäre der Eilmeldung-Button angebracht gewesen, wenn Underdog Island sich tatsächlich durch sämtliche Spiele hindurchgekämpft und es bis ins Finale geschafft hätte. Denn DAS wäre tatsächlich eine Nachricht, mit der wohl keiner gerechnet hätte.

Aber dass Frankreich ins Halbfinale kommt… So what? Hat wirklich irgendjemand ernsthaft daran gezweifelt, dass dies im Bereich des Wahrscheinlichen liegt?

Nein. Die Bezeichnung “Eilmeldung" hat wirklich keine dieser Nachrichten im Zuge der Fußball-EM verdient.

Auf mich hat dieser unnötige und inflationäre Gebrauch des “Eilmeldung”-Buttons folgende Wirkung gezeigt:

Während ich persönlich früher leicht zusammengezuckt bin und mein Gehirn mir signalisiert hat, dass nun erhöhte Aufmerksamkeit angebracht ist, wenn ich den wandernden Button erblickt habe, nehme ich ihn jetzt nur noch am Rande wahr.

Wie gesagt: Wirkung verpufft!

Den Wear-out-Effekt vermeiden

Das ist natürlich ein recht extremes Beispiel. Aber eines, das klar zeigt, wie die Wirkung von Geschriebenen verpuffen kann.

In der Werbung gibt es den “Wear-out-Effekt”, auf deutsch “Abnutzungseffekt”: Er beschreibt eigentlich das Phänomen, dass sich die Werbewirkung durch zu häufigen Kontakt mit dem Werbemittel verringert. Im Grunde lässt sich das auch auf das Content Marketing übertragen.

Beim obigem Beispiel ist nichts anderes passiert: Ein Gewöhnungseffekt ist eingetreten, der eine abschwächende Wirkung hat. Wer also immer “das Größte”, “das Beste” und “das Wichtigste” in seinen Texten anpreist, kommt nicht umhin, dass die Leser sich irgendwann daran gewöhnen.

Grundsätzlich ist das gar nicht mal so tragisch, wenn man guten, nützlichen und relevanten Content produziert. Die Leser dürften einem dann trotzdem treu bleiben. Was aber, wenn man mal einen Inhalt verarbeitet, der wirklich außergewöhnlich ist bzw. Informationen bietet, die den Superlativ tatsächlich verdient haben?

Wie macht man seine Leser darauf aufmerksam? Indem man noch zwei oder drei Ausrufezeichen mehr hinten dran hängt und mit blinkendem Hintergrund unterlegt?

Guter Content steht für sich selbst

Ich persönlich hebe mir die ultimative Superlative deshalb gerne für wirklich außergewöhlichen  Inhalt auf.

Wer guten, relevanten Content produziert und im Hinblick auf Suchmaschinenoptimierung einigermaßen up to date ist, wird seine Leserschaft finden und langfristig halten können, denn: Guter Content kann in der Regel kann ganz bewusst für sich selbst stehen – auch ohne Ausrufezeichen.

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Veröffentlicht am 13.07.2016 und zuletzt aktualisiert am 22.02.2017

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