INBOUND 2018 – mehr als Daten, Tools und Features

Feedback von der INBOUND 2018 Erfahrungen und EindrückeDas Team von HOPPE7 war in den letzten Jahren jedesmal vertreten, wenn HubSpot zur INBOUND nach Boston einlud, einem der größten Kongresse für innovatives Marketing weltweit. In diesem Jahr traf mich das Los, endlich durfte der Chef auch einmal teilnehmen und sich inspirieren lassen. Hier kommen meine Eindrücke, meine Lieblings-Speaker und meine Gedanken über den von HubSpot verkündeten "Tod" des Verkaufstrichters. 

Inspirieren, beeindrucken, informieren, diskutieren und auch zum Nachdenken bringen lassen. Dafür steht die INBOUND. Beeindruckend ist schon die schiere Größe dieser Veranstaltung. In diesem Jahr haben sich tatsächlich über 24.000 Menschen auf den Weg nach Boston gemacht, um sich in unglaublich vielen Keynotes, Spotlights und Workshops mit dem Thema Inbound Marketing zu beschäftigen. Kongresse – noch dazu über insgesamt vier Tage – gibt es nur wenige in dieser Größenordnung. Das Thema ist also offenbar wichtig, und zwar für alle, die sich mit Marketing, Verkauf und Service, also mit Kundenbeziehungen beschäftigen. 

Der Tod des Trichters

Brian Halligan, der Mitgründer und CEO von HubSpot verkündete das Ende des Verkaufs-Trichters. Der Sales- und Marketing-Funnel, der Generationen von Vertrieblern und Marketingleuten ständig als Modell zur Gestaltung ihrer Prozesse, aber auch zum Monitoring der Erfolgsquoten gedient hat, hat ausgedient. Zumindest hat er deutliche Risse: Das Modell funktioniert an einigen Stellen nicht mehr gut und wird durch ein neues ersetzt. Dieses neue Modell wird mit einem beeindruckenden Schwung in die Welt gesetzt, es ist das Flywheel, also ein Schwungrad. Es setzt sich zusammen aus den drei Komponenten einer Kundenbeziehung: Marketing, Sales und Service. Dabei berücksichtigt es nicht nur den Prozess der Kundengewinnung (Sales) und deren Vorbereitung (Marketing), sondern auch die Kundenbindung und -betreuung (Service). Für all diese Phasen liefert HubSpot inzwischen das passende Werkzeug, welches, ähnlich einem Schweizer Taschenmesser, als All-in-One Software konzipiert ist.

Flywheel von HubSpot, vorgestellt auf der INBOUND 2018Das neue Verkaufs-Flywheel von HubSpot 

Ob das Modell des Trichters nicht doch nach wie vor an einigen Stellen nützlich ist, wäre nach meiner Erfahrung zu diskutieren, aber das Schwungrad ist auf jeden Fall eine interessante Weiterentwicklung und bildet den kompletten Prozess sehr gut ab. Der Kunde steht übrigens als „Nabe“ im Mittelpunkt (bzw. in dieser Grafik das CRM, durch welches Leads und Kunden gepflegt werden). Eine große Rolle spielt auch die Energie, mit der das Schwungrad einmal in Bewegung gebracht wird und sich dann auch gut geschmiert immer weiter dreht. Die Analogie legt es nahe: Am Anfang ist der Aufwand deutlich höher, wenn die Prozesse und die nötigen Kompetenzen dann mal da sind, geht’s leichter.

"Grow better"

Der Kunde im Mittelpunkt, das war auch der Kernpunkt der Keynote von Dharmesh Shah, dem zweiten HubSpot Gründer und wohl dem geistigen Vater der Software. Das Motto seiner Rede war "grow better". Dieses zieht sich inzwischen durch die ganze Kommunikation bei HubSpot. Man möchte hoffen, dass damit auch zum Ausdruck kommt, dass es nicht nur darum gehen soll, noch größer zu wachsen, sondern eben besser. Ein sinnvoller Gedanke! Ein strategischer Hintergrund ist aber sicher auch, dass HubSpot die bisherige Orientierung an KMUs – die eben vor allem erst mal größer werden wollen und müssen – erweitert und jetzt immer mehr auch Unternehmen anspricht, die bereits richtig groß sind. Die Neuerungen bei den Enterprise-Lizenzen zeigen das deutlich. Die "Customer Experience" stand bei Dharmesh ebenfalls ganz oben auf seiner Agenda, das passt zusammen mit der "menschlichen Nabe" des Flywheels. Er kokettiert immer etwas damit, dass er eigentlich ein extrem introvertierter Mensch sei, lieferte dann aber eine mitreißende, unterhaltsame und beeindruckende Vorstellung ab, mit der er seinem Partner Brian Halligen durchaus die Show etwas gestohlen hat.

Das Produkt entwickelt sich

Bei den beiden Chefs und auch bei einigen anderen Vorträgen ging es natürlich oft um die neuen Features, Lizenzmodelle und Integrationen von HubSpot. Da hat sich wirklich einiges getan. Ausführliche Informationen haben wir Ihnen in diesem HubSpot 2018 Product Update Artikel zusammengefasst. 

Menschen motivieren

Keynotes von berühmten, inspirierenden und bemerkenswerten Menschen, oft zu Themen, die auf den ersten Blick nicht allzu viel mit Marketing zu tun haben – davon gab’s auch einige. Mehr als ich erwartet hätte. An die Attraktivität des Auftritts von Michelle Obama auf der INBOUND 2017 kam zwar niemand ran, aber das ist ja auch nicht ganz so einfach.

Der Einstieg in die diesjährigen INBOUND Vorträge ging aber für mein Gefühl einigermaßen in die Hose. Deepak Chopra ist ein gefeierter Autor von ungefähr achtzig (!) Büchern, darunter vielen Bestsellern. Und er wird unter die wichtigsten Leute, zumindest im Bereich der Medizin, eingereiht. Am Ende seiner Show hat er es tatsächlich geschafft, über zwanzig tausend Menschen mit auf eine fünfminütige Meditation zu nehmen. Das war beeindruckend. Alles vorher war zumindest für mich ziemlich mau, ein Aufguss von teils uralten, teils fragwürdigen Rezepten zu Selbstheilungskräften und wie man damit umgehen soll. Und dann – mit Gewalt –ein paar Folien, die deutlich rein gequetscht waren mit einer Menge an Schlagworten aus der digitalen Welt, offensichtlich ein Tribut an das Abendpublikum. Der Zusammenhang zu seinem eigentlichen Thema war mehr als gezwungen…

 

Beth Comstock ist eine bemerkenswerte Frau, die es in ihrer Karriere bis an die Spitze von GE (General Electric) geschafft hatte, einem der größten Unternehmen der Welt. Ihre Vita und die abgeleiteten Themen der Keynote haben viel mit Business und auch mit Marketing zu tun. Die eigentliche Story aber war ihre eigene. Eine Geschichte von schlechten Voraussetzungen, vielen harten Niederschlägen und Rückschlägen, und vom Wiederaufstehen und Dranbleiben. Und davon, dass man trotz oder auch gerade wegen der Fehler (und den daraus gezogenen Lehren) immer noch die Chance auf unglaubliche Erfolge haben kann. Wenn sich erfolgreiche Menschen auf eine Bühne stellen und so eine Geschichte glaubwürdig und authentisch erzählen, ist die immanente Botschaft ja immer "Du kannst das auch…". In diesem Sinne hat Beth Comstock sicher vielen in der riesigen Halle Mut gemacht und die Motivation ihrer Zuhörer gefördert. Dass es am Ende dann oft auch um so etwas wie Glück und Zufall geht, und dass die eigentliche Motivation immer von innen kommen muss, steht auf einem anderen Blatt…

Mo Gawdat hat in seinem Leben sehr früh sehr viel erreicht (beruflich) und wurde durch ein unglaublich tragisches privates Unglück absolut kalt erwischt. Ich kann mir jedenfalls kein schlimmeres Unglück vorstellen als den Tod des eigenen Kindes. Auf dieses Unglück hat Mo Gawdat – zumindest nach einer ersten Zeit der schlimmen Trauer – mit einem "Glücks-Projekt" reagiert. Mit der Herangehensweise eines Ingenieurs hat er sich tatsächlich in den Kopf gesetzt, sehr viele Menschen happy zu machen, oder sie wenigstens auf diesem Weg zu unterstützen. Klingt erst mal unglaublich platt, kam aber komplett anders rüber. Als ehemaligen Chef von Google X treibt ihn aber auch noch ein Motiv an das uns allen zu denken geben sollte: Er weiß was Künstliche Intelligenz bedeutet, und er weist darauf hin, dass die mit KI ausgestatteten Roboter von uns lernen, unter anderem auch Varianten der Problemlösung. Und dass die KIs womöglich durchaus eines Tages auf die Idee kommen könnten, der Mensch sei das eigentliche Problem. Also wäre es durchaus eine gute Idee, den Robotern happiness vorzuleben. Das Wort kommt bei uns sehr spaßig rüber, ist aber im Original gar nicht so gemeint…

 

Tja, und dann war da noch Scott Harrison. Er hat auf der INBOUND 2013 schon mal von seinem Megaprojekt berichtet und die Teilnehmer fasziniert. Und die Geschichte geht nach wie vor weiter, und zwar rasant. Welche Geschichte? Scott hat nach einer schwierigen Kindheit und Jugend eine verrückte Zeit als Partyhengst in New York durch- und überlebt und dabei sehr viel Geld gemacht. Dann der große Umschwung, er beschloss etwas "sinnvolles" zu machen und hat die Organisation charity: water ins Leben gerufen. Eine Einrichtung die bis jetzt mit fast dreißigtausend Wasser-Projekten, also Brunnen, Filteranlagen etc. in Entwicklungsländern knapp zehn Millionen Menschen mit frischem Wasser versorgen konnte. Das klingt viel weniger spektakulär, als man zunächst denken würde. Er hat aber sehr eindringlich vermittelt, welche Krankheiten und Todesursachen durch sauberes Wasser vermieden werden können. Diese echten Geschichten von echten Menschen haben für echte Gänsehaut auf der INBOUND gesorgt und garantiert bei vielen auch für den Entschluss, sich zumindest per Spende zu beteiligen.

 

Wir sehen uns auf der INBOUND 2019...

Neben diesen Berühmtheiten waren noch einige andere Speaker aus diversen Fachrichtungen vertreten und aus meinem Team kam im Nachhinein die Frage, was deren Themen eigentlich mit dem eigentlichen Kongressthema zu tun hatten. Getreu dem Motto "grow better" würde ich meinen, dass erstens der Blick über den Tellerrand sehr viel zu einer sinnvollen Arbeit in der Marketingwelt beitragen kann, und dass zweitens das Thema Motivation neben allen Daten, Features und Tools tatsächlich einen hohen Stellenwert verdient.

Vorbilder, Vordenker, Vormacher und "wirkungsvolle" Menschen machen Mut, lassen uns nachdenken und manchmal auch nachmachen. In diesem Sinne war ich froh über die Keynotes und das Ablegen der Marketingbrille, über die Inspiration durch einige der berühmten Sprecher/-innen und freue mich schon sehr auf die INBOUND 2019! 

Inbound Marketing Whitepaper

Veröffentlicht am 18.09.2018 und zuletzt aktualisiert am 18.09.2018