Inbound Marketing im DACH-Raum: Ein Interview mit Martin Bredl

Martin Bredl, Take Off PR

Das Thema Inbound Marketing nimmt – auch in Europa – immer größere Ausmaße an.

In unserer neuen Serie befragen wir Inbound Marketing Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu ihren Erfahrungen und den Entwicklungen in der Branche.

Den Anfang macht unser geschätzter Kollege Martin Bredl, Managing Partner der Inbound Marketing Agentur Take Off PR aus Wien


Zur Person

Martin Bredl war mehr als 15 Jahre Leiter der Unternehmenskommunikation von Telekom Austria und vier Jahre Präsident des Public Relationsverbandes Austria.

Seit 2011 ist er selbstständig und bietet mit der Inbound Marketing Agentur Take Off PR Inbound Marketing Leistungen an. Martin ist verheiratet und hat vier Kinder, wobei zwei bei Take Off PR mitarbeiten.

In Südafrika an der Grenze zu Botswana ist ein Wasserloch nach ihm benannt: „Martins Hide“. Dort hält Martin sich am liebsten auf.


Warum Inbound Marketing?

HOPPE7: Sie haben sich mit Ihrem Unternehmen http://www.takeoffpr.com/ für das Konzept Inbound Marketing entschieden und bieten diesbezüglich umfangreiche Leistungen an. Was war die „Initialzündung“ für diese Entscheidung und warum?

Martin Bredl: Ich habe Take Off PR, wie der Name schon sagt 2011 als klassische PR Agentur gestartet. Meine Vergangenheit ist auch Public Relations.

Ich war 15 Jahre Leiter der Unternehmenskommunikation bei Telekom Austria und 4 Jahre Präsident des Public Relationsverbandes Austria. In diesen Funktionen sah ich, sozusagen an vorderster Front, dass sich Marketing und PR total verändern müssen.

Als neue Agentur mussten wir etwas anders machen, als die alt eingesessenen.

Damals las ich das Buch von David Meermann Scott „New Rules in Marketing & PR“ und ich sah sofort, dass das die Zukunft ist.

Im Kern zeigt David, dass sich das Kommunikationsverhalten der Menschen durch neue Technologien, wie Internet und Social Media grundlegend geändert haben. Als Folge müssen Unternehmen und Organisation die Art und Weise, wie sie kommunizieren auch grundlegend ändern. Pressearbeit und Anzeigen funktionieren nicht mehr wie vor 10 Jahren.

Nützlicher Content, der von Usern gefunden wird, kann heute mehr erreichen als Werbung und PR.

Nicht lang und ich fand die PR Agentur PR2020 in den USA, die sich bereits vor Jahren von einer PR Agentur zu einer Inbound Marketing Agentur entwickelt hat.

Wir übernahmen („klauten“) so viel wie möglich von PR2020, die übrigens die erste Partner Agentur von HubSpot ist.

Eines Tages nahm ich Kontakt mit dem Eigentümer von PR2020, Paul Rötzer auf und warnte ihm, dass wir alles von seiner Agentur „klauen“.

Seine Antwort: „So lang euch das inspiriert, macht das!“

Über PR2020 lernten wir HubSpot kennen. HubSpot ist einer der weltweit führenden Anbieter von Marketing Automation Software. Die Gründer Darmesh Shah und Brian Halligan haben wesentlich zur weltweiten Inbound Marketing Entwicklung beigetragen.

Seit März 2013 sind wir HubSpot Partner. Wir waren die erste HubSpot zertifizierte Partner Agentur in Österreich. Heute machen wir 90% unseres Umsatzes mit Inbound Marketing Leistungen.

Das reicht von Workshops über Strategieberatung bis zur laufenden Umsetzung.

Welche Eindrücke konnten Sie auf der "Inbound 2014" sammeln?

HOPPE7: Auf der „Inbound 2014“ in Boston waren Sie live dabei und konnten sich einen persönlichen Eindruck von der Stimmung und den Impulsen unter den Partner-Agenturen von HubSpot verschaffen. Welche Erfahrungen und Anregungen konnten Sie mitnehmen?

Martin Bredl: 2014 habe ich es zum ersten Mal geschafft an der jährlichen Inbound Marketing Konferenz von HubSpot in Boston teilzunehmen. 10.000 Inbound Marketer waren dabei und das ganze glich einem dreitägigem Rock-Konzert.

Alles in Boston ist „awesome“.

HubSpot, die seit 2014 an der Börse sind, lässt sich den Event etwas kosten und karrt die besten Keynote Speaker, wie eben David Meermann Scott an und nutzt den Event auch immer um die neuesten Entwicklungen zu präsentieren.

(Siehe auch: "HubSpot kündigt eigenes CRM an")

Das ganze gleicht irgendwie den legendären Productlaunches von Steve Jobs. Für mich das Wertvollste an diesem Megaevent aber war, das ich mit den amerikanischen HubSpot Partnern persönlich sprechen konnte.

Ich konnte mich endlich bei Paul Rötzer bedanken, dass er uns erlaubte von seiner Agentur zu „klauen“ ;). Die Kollegen in den USA leben Inbound. Bei Inbound geht nichts, wenn Sie Ihr Unternehmen nicht auf die volle Transparenz ausrichten. Und so geben die Agenturleiter über alles Auskunft.

Das ist für einen Europäer zuerst kaum fassbar.

  • Was verdienst du?
  • Was verdienen deine Mitarbeiter?
  • Was verlangst du für welche Leistungen?
  • Wie gewinnst du deine Kunden?

Alles Fragen, auf die ich eine Antwort bekam.

Bei uns agieren die Agenturen eher wie Schwammerlsucher, die einen geheimen Schwammerlplatz gefunden und haben und diesen niemand verraten. Eine ganz andere Kultur? Nicht unbedingt. Ich denke Inbound ist bei uns noch nicht angekommen.

Wo liegt für Sie der Unterschied zwischen Inbound und Content Marketing?

HOPPE7: Sie sind als gestandene PR-Agentur eh schon nahe am Thema „Content Marketing“. Wie würden Sie die Abgrenzung und Einordnung zwischen den Konzepten „Content Marketing“ und „Inbound Marketing“ sehen?

Martin Bredl: Wir waren zuerst eine PR Agentur, dann eine Content Marketing Agentur und jetzt sind wir eine Inbound Marketing Agentur.

Unseren Kunden ist es egal wie wir uns bezeichnen. Ich denke aber für eine langfristige Positionierung und für das Branding ist das nicht ganz egal.

Was PR ist, ist klar. Bei Content Marketing geht es darum mit Contents und nicht mir Werbebotschaften Aufmerksamkeit und Interesse zu schaffen.

Inbound Marketing geht weiter. Hier geht es um den gesamten Prozess von Aufmerksamkeit schaffen, Kontakt aufzunehmen, eine Beziehung zu pflegen, eine Kauf abzuschließen bis zur Begeisterung von Kunden.

(siehe auch "Im Dschungel der Begriffe: Online-, Content- und Inbound Marketing")

Für mich ist Content Marketing ein Teil von Inbound Marketing und zwar der Teil wo es um Aufmerksamkeit und Interesse schaffen geht.

Letztlich wollen unsere Kunden aber Inbound Marketing, weil Aufmerksamkeit und Interesse nur die halbe Miete ist. Unsere Kunden wollen in der Regel etwas verkaufen. Kontaktaufnahme (Leadgenerierung), Beziehungspflege (Lead Nurtuing) ist für den Kaufabschluss essentiell wichtig.

Jetzt gibt es viele Content Marketer, die das alles auch in Content Marketing vereint sehen. In den USA, wo alles her kommt, unterscheiden die Marketer und Sales People sehr deutlich.

Wenn es Sie interessiert, dann lesen Sie diesen Beitrag: Warum Content Marketing nicht Inbound Marketing ist und warum das eigentlich egal ist.

Welches Feedback bekommen Sie von Ihren Kunden?

HOPPE7: Einer Ihrer wichtigsten Kunden als HubSpot-Agentur ist in der Telekommunikation-Branche beheimatet. Welches Feedback bekommen Sie bislang zu den Ergebnissen von Inbound Marketing?

Martin Bredl: Ja, wir dürfen für den 2. größten Telekommunikationsanbieter in Österreich klassisches Inbound Marketing machen. Es geht ganz klar wie es im Inbound Marketing auch das Ziel sein soll um die Generierung von Leads und um das Lead Nurturing.

Wir haben uns, so wie es bei Inbound Marketing sinnvoll ist zu einem sehr konkreten mit Zahlen unterlegten Ziel committed und wir sind am besten Weg das Ziel zu erreichen. Wir haben eine sehr interessante Lernkurve hinter uns.

Die Herausforderung bei jedem Projekt ist es herauszufinden, welcher Content tatsächlich zu Conversions führt. Content that converts. Das ist Knochenarbeit. In diesem Fall besonders, da wir Pioniere sind.

Es gibt nichts vergleichbares in Europa, ja wir haben weltweit keinen Telco gefunden, der ernsthaft Inbound Marketing macht. Ein bisschen Content Marketing macht bald jemand. Heute sind wir stolz, dass wir das Content Monster gefesselt haben und wir mit guten Content interessante Leads generieren.

Ein Traum ist es bei so einem Projekt mit HubSpot zu arbeiten. Erstens kann die Software wirklich alles und wir sind immer erstaunt wie einfach das alles geht. Und zweitens ist der Support genial. Wir machen intern schon Wetten, wie schnell der Support reagiert. Und der reagiert unheimlich schnell.

Meistens spielt sich das so ab: Wir stecken irgendwo. Über das Helpmenü verlangen wir einen Rückruf. Kaum ist der Request abgeschickt, klingelt das Telefon. Da müssen die Leute von Helpdesk in Dublin nur so lauern und auf einen Request warten.

Conclusio: Inbound Marketing ist ein zukunftssicherer Entwicklungspfad für PR und Marketing Agentur.

Gut ist es diese Entwicklung nicht allein machen zu müssen. Wir schätzen sehr das Netzwerk von HubSpot, das uns hilft die besten Entwicklungen als erste in der Branche zur Verfügung zu haben.

Happy Inbound Marketing und ich hoffe wir sehen uns bei der Inbound 2015 in Boston.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Veröffentlicht am 28.01.2015 und zuletzt aktualisiert am 28.02.2017