Ist Coaching rentabel?

rentRentabilitaet-von-coachingCoaching ist nach wie vor ein unklarer Begriff und wird von manchen immer noch misstrauisch beäugt.

  • Wer braucht so was?
  • Was bringt’s?
  • Rentiert sich das?

…das sind häufige Fragen.

Stellen wir uns doch kurz mal Peter Müller vor (Name geändert), er ist Führungskraft auf einer mittleren Ebene in einem Medienunternehmen. Er ist auf Anregung von außen über Coaching „gestolpert", hat sich ein wenig über die verschiedenen Möglichkeiten informiert und schließlich mit seinem Chef einen entsprechenden Budget-Posten vereinbart.

Vor dem Gespräch mit dem Chef hatte er schon kurz überlegen müssen, wie er seinen Wunsch darstellt und wie der wohl beim Vorgesetzten ankommen würde. Als Zeichen von Schwäche oder als Signal von Aufbruchs- und Innovatiosfreude, auch von Selbstkritik und Bereitschaft, sich weiter zu entwickeln?

Überraschenderweise meinte der Chef dann allerdings, dass er sich für sich selber auch immer wieder mal diesen „Luxus“, wie er das nannte, gönnen würde und dass das nie schaden könne. Das einzige Problem sei, dass man eigentlich nie so genau wisse, was jetzt am Ende dabei heraus springt.

Für die Firma – versteht sich.

Peter Müller hat sich dann nach Empfehlungen eines Geschäftsfreundes einen erfahrenen Coach gesucht und mit diesem ein erstes Gespräch vereinbart, um zu sehen, ob die Chemie stimmt und ob er sich vorstellen kann, mit diesem Mann über wichtige und ja doch teilweise auch delikate Dinge zu sprechen. Das Erstgespräch war gut, beide vereinbarten erst mal fünf Sitzungstermine miteinander.

Nach der dritten oder vierten Sitzung war Herr Müller bei einem Problem, das er schon lange vor sich her schob, ein Stückchen weiter gekommen. Er hatte in seinem Team eine Umstrukturierung an zwei wichtigen Positionen initiiert und auch die beteiligten Mitarbeiter gut einbinden können. Die Aufgaben und Ziele wurden neu definiert und miteinander vereinbart. Es gab dabei nur mäßige Diskussionen, im Wesentlichen waren die Beteiligten ausnahmsweise scheinbar sogar froh um diese Veränderung.

Die Schwierigkeit der Berechnung des ROI eines Coachings

Stellen wir uns mal vor, der Chef käme genau zu diesem Zeitpunkt auf Peter Müller zu und würde ihn fragen, wie sich denn das Coaching auswirkt. Und weil das nun mal sein Job ist, würde er damit am Ende ja wissen wollen, ob sich die Investition denn rechnet, ob also mehr Nutzen als Kosten unterm Strich stehen bleiben. Wenn die beiden in diesem Gespräch nicht nur bei oberflächlichen Aussagen bleiben wollen, also bei dem „Gefühl, dass es mir schon gut tut“, das Herr Müller äußern kann, dann müssten sie einige Fragen auf den Tisch legen.

Wie verändert die beschlossene Umstrukturierung die Rentabilität der Abteilung?

Das kann man vermutlich mit einem Vergleich zur Vergangenheit noch einigermaßen einschätzen und dokumentieren. Diese Kalkulationen hatte Peter Müller natürlich auch schon vor dem Coaching durchgespielt, nur nicht so konkret. Und er hatte sich aus irgendwelchen Gründen noch immer nicht an die Umsetzung gemacht, nach dem Coaching ging’s dann sogar relativ leicht.

Wo ist also eine vernünftige Kenngröße, die man den Kosten des Coachings gegenüberstellen kann?

Bei einem der Mitarbeiter gab es schon seit einiger Zeit ein paar Zeichen von Unzufriedenheit. Herr Müller hatte das Gefühl, dass dieser Mitarbeiter äußerst dankbar für die Veränderung war. In einem kurzen Moment dachte Peter Müller sogar mal „wenn ich das jetzt nicht gemacht hätte, wäre uns der bald abgesprungen…“.

So, und jetzt soll er seinem Chef gegenüber Rechenschaft ablegen, was das die Firma gekostet hätte – inkl. Einarbeitung eines Nachfolgers, Vertrauensverlust bei einigen wichtigen Kunden und einem Kollegen, den der gehende Mitarbeiter womöglich sogar noch „mitgenommen“ hätte.

Diese Kosten wären auf jeden Fall wesentlich höher ausgefallen als die für das Coaching – aber ist diese Rechnung redlich?

Ganz ehrlich gesagt, hatte Peter Müller an diesem Problem schon seit längerer Zeit gegrübelt. Er wollte es sich selber gegenüber eigentlich nicht so richtig eingestehen, aber die knifflige Situation vor der Umstrukturierung war zumindest mit beteiligt an ein paar Nächten mit ein bisschen schlechterem Schlaf, als ihn Peter Müller normalerweise hat. Er ertappte sich bei einem Wochenendausflug mit der Familie sogar dabei, in Gedanken immer wieder die verschiedenen Möglichkeiten durch zu spielen.

So, und jetzt wollen wir mal den „Return of Invest“ berechnen und dabei berücksichtigen, dass Herr Müller womöglich noch ein paar Monate gebraucht hätte, dass sich das Problem auch bei ihm persönlich womöglich noch deutlich zugespitzt hätte, aber dass wir all das eben nicht genau wissen können.

Wissenschaftliche Ansätze, die Rentabilität eines Coachings zu berechnen

Sie merken schon – wir könnten jetzt noch einige solcher Fragen aufmachen und hätten bei den Antworten immer das Gefühl, dass diese äußerst spekulativ sind. Dass Herr Müller und vor allem sein Chef am Ende immer auf einem Rest an „Bauchgefühl“ sitzen bleiben, auf das sie sich verlassen müssen.

Das ist bei einem so komplexen Vorgang wie einem Coaching von Führungskräften einfach so. Trotzdem gibt es natürlich immer wieder Ansätze, wie man die Wirkung von Coaching und am Ende auch die Rentabilität trotzdem irgendwie einschätzen und kalkulieren kann. Die Verbände und auch die universitäre Forschung bemühen sich sogar gerade in den letzten Jahren verstärkt, hier entsprechend belastbare Erkenntnisse zu liefern und es gibt einige Forschungsansätze, die auch wirklich ernst zu nehmen sind.

Eine relativ einfache Methode besteht darin, dass man in zwei Stufen:

  • erst mal den Klienten einfach nach seiner eigenen subjektiven Einschätzung fragt, wie sich denn das Coaching gerechnet hätte. Wie hoch der Nutzen für die Firma im Vergleich zu den Kosten also waren?
  • dann auch noch seinen Vorgesetzten befragt, wie denn aus dessen Sicht der ROI der Maßnahme ausgefallen sei.

Man bleibt bei diesen Verfahren also bewusst auch auf einer relativ „subjektiven“ Bewertung, befragt aber dafür einige Testpersonen und geht davon aus, dass dann die Statistik und Wahrscheinlichkeit schon für Stämmigkeit sorgt.

Ungefähr nach diesem Muster, ergänzt durch zusätzliche Qualitative Methoden, wurde beispielsweise eine Befragung der „International Coach Federation“ durchgeführt, deren Ergebnisse im Bericht „2009 Global Coaching Cliet Study“ zu finden sind.

Befragt wurden dabei über 2000 Klienten aus insgesamt 64 Ländern. Zur Frage nach einem belastbaren ROI äußersten sich am Ende zwar nur 189 der Teilnehmer, bei diesem war das Ergebnis aber dann doch bemerkenswert.

Im Durchschnitt landet das Ergebnis bei dem ungefähr siebenfachen der Kosten. Das heißt, durch die Coachingmaßnahmen wurde ein ROI von 700% erwirtschaftet (100% wäre break-even, d.h. das Coaching bringt so viel wie es kostet).

Das oben beschriebene Beispiel ist natürlich fiktiv, und die zitierte Studie ist nur eine von ganz vielen, die sich mit den Fragen der Rentabilität von Coaching beschäftigen.

Coaching – ein Luxus der sich rentiert

Wenn man sich einen Überblick über viele Studien und Forschungsergebnisse verschafft, hat man den Eindruck, Coaching sei durchaus ein „Luxus“, der rentabel ist. Und zwar für den einzelnen Klienten, als auch für dessen Firma. Wer sich genauer mit den methodischen Ansätzen der Wirkungsforschung im Coaching beschäftigen will, findet mit diesem Artikel zur Kosten-Nutzen-Analyse von Coaching von Dr.Annette-Christina Pannenberg einen guten Einstieg, und auch im Artikel "Das Geheimnis um den ROI von Coaching" von Titus Lindl.

Coaching

Veröffentlicht am 23.06.2014 und zuletzt aktualisiert am 20.02.2017

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