Mitarbeitermotivation: Zuckerbrot, Peitsche oder Selbstbestimmung?

mitarbeitermotivationDie einschlägigen Managementratgeber mit ihren "Motivieren – aber richtig!"-Phrasen kennen wir alle irgendwie.

Als Manager ist es Ihre Aufgabe Ihre Mitarbeiter zu motivieren. Doch manchmal ist das einfacher gesagt als getan. Denn was motiviert den Menschen? Geld? Lob? Oder doch möglicherweise Bestrafung?

Ein kleines Beispiel:

Ein Manager, der gerade von einem Motivationsseminar zurückgekommen ist, sagt zu seinem Angestellten:

„Von heute an planen und kontrollieren Sie Ihre Arbeit selbst. Ich bin mir sicher, dass der Umsatz dadurch stark steigen wird.“

„Bekomme ich dann auch mehr Geld?“, fragte der Angestellte. „Aber nein. Eine Gehaltserhöhung ist nun wirklich nicht zur Motivation geeignet“, so der Vorgesetzte. „Aber wenn die Produktion tatsächlich steigt, dann erhalte ich doch sicherlich eine Provision?“

„Hören Sie“, sagte der Manager, „offensichtlich verstehen Sie nicht, dass ich Sie motivieren möchte. Nehmen Sie dieses Buch mit nach Hause und lesen Sie es. Sie werden daraus lernen, was wirklich motiviert.“

Beim Hinausgehen fragte der Angestellte: „Wenn ich das Buch gelesen habe, bekomme ich dann mehr Geld?“

Mythos Motivation

Wer zeitgemäß führen will, motiviert nicht, sondern verhindert Demotivation. So lautet das Credo des Bestseller-Autors Reinhard Sprenger.

Er definiert Motivation als einen Beweggrund, etwas zu tun. Motivation erklärt das Verhalten eines Individuums und kann nicht fremdgesteuert werden. Motivierung dahingegen ist das absichtsvolle Handeln einer Person, die Verhaltensbereitschaft einer anderen Person gezielt zu beeinflussen.

In den meisten Fällen wird zwar von Motivation gesprochen, gemeint ist aber Motivierung. Dwight D. Eisenhower war da direkter und definierte:

"Motivation ist die Fähigkeit, einen Menschen dazu zu bringen, das zu tun, was man will, wann man will und wie mal will – weil er selbst es will."

Sprenger sieht folgende drei Instrumente als gängige Mittel der Motivierung und sieht diese dabei als Aspekte der Fremdsteuerung, Manipulation und das Nichtfunktionieren der intendierten Motivierung.

1. Bedrohung

Dass Menschen Dinge tun, wenn ihnen ansonsten eine unangenehme Konsequenz angekündigt wird, ist bekannt. Möglicherweisen haben Sie selbst auch schon Sätze wie „Mach deine Hausaufgaben oder du hast Hausarrest“ oder „Ich zähle jetzt bis drei“ von sich gegeben. Im Beruf kann solch eine Drohung zum Beispiel mit einer Kündigung ausgesprochen werden.

2. Bestrafung

Die nächste Stufe der Motivation ist die Bestrafung. Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Biologieunterricht und an den Begriff der Konditionierung. Dieses Prinzip funktioniert auf der einen Seite mit Belohnung, auf der anderen Seite mit negativer Verstärkung. Wenn Sie zum Beispiel mit Ihrem Hund spazieren gehen und er so fest an der Leine zieht, dass sich sein Kettenhalsband um den Hals zieht, tut ihm das weh. Um den Schmerz zu vermeiden, wird er sofort aufhören zu ziehen. Das ist beim Menschen genauso. Beruflich gesehen bedeutet das Gehaltskürzungen oder die Übernahme unliebsamer Aufgaben.

3. Bestechung

Seien wir doch mal ehrlich: Davon lebt die Incentive-Industrie. Die zehn besten Verkäufer werden für ein Wochenende nach Madrid eingeladen. Ein schönes Hotel, kostenfreies Essen, ein spannendes Rahmenprogramm – all das erhält man, wenn man den Umsatz steil nach oben getrieben hat.

Ich bin mir sicher, die genannten Methoden funktionieren. Aber würden Sie das motivieren nennen?

Ganz ehrlich: Wollen Sie so ein Manager sein? Und würden Sie für so eine Führungskraft wirklich arbeiten wollen?

Bestechung steigert Umsatz

Stellen Sie sich einen Verkaufsleiter vor, der sich vor sein Team stellt und sagt: „Ich glaube, ihr entfaltet nicht euer volles Potenzial. Ihr gebt nicht 100 Prozent. Wenn ihr euch mehr anstrengend würdet, dann wäre der Umsatz besser. Ich werde euch das beweisen und euch bestechen.“

Würden die Verkäufer drauf anspringen? Natürlich nicht. Sie würden von schlechten Zeiten sprechen, harter Konkurrenz, Preiskampf und einem randvollen Terminkalender. Aber was passiert, wenn der beste Verkäufer ein Wochenende nach New York erhält? Ich wette, der Umsatz wird nach oben gehen. Der Verkaufsleiter hätte also Recht behalten.

Menschen lassen sich bestechen. Zumindest die meisten. Erinnern Sie sich doch einfach mal an die Abwrackprämie. Das war im Endeffekt nichts anderes.

Dennoch haben die von Sprenger genannten Methoden einen gravierenden Nachteil: Die Dosis des Bedrohens, Bestrafens und Bestechens muss stetig erhöht werden. Wenn Sie Ihrem besten Verkäufer ein Wochenende in New York verschafft haben, können Sie im nächsten Jahr kein Wochenende im Schwarzwald verlosen.

Motivieren kann demotivieren

Den US-Bestseller Autor Dan Pink haben wir bereits im Beitrag "Verkaufen ist menschlich" vorgestellt.

Er unterstützt Sprengers Theorie und beschreibt in seinem Buch „Drive – Was Sie wirklich motiviert“, wie Motivieren gleichzeitig demotivieren kann.

Auch er unterscheidet drei Formen der Motivation:

Motivation 1.0

Diese Form der Motivation basiert auf den menschlichen Überlebenstrieben wie Hunger oder Furcht. Fragen Sie doch mal Ihren Kollegen, wieso er morgens eigentlich jeden Tag zur Arbeit geht. Er wird ihnen sicherlich so etwas sagen, wie „Ich muss ja von was leben.“

Motivation 2.0

Die Aussicht auf Belohnung motiviert: Eine Gehaltserhöhung, ein Audi A5 als Dienstwagen, ein größeres Büro.

Motivation 3.0

Der Antrieb von innen kommt ohne äußere Anreize aus und wird intrinsische Motivation genannt. Der Mensch sieht in seinem Handeln einen Sinn und möchte daher erfolgreich sein.

Viele Menschen motivieren sich selbst. Aber eben nicht alle. Und diese kann man auch nicht fremdmotivieren. Man kann ihnen etwas vorleben, sie zur Motivation einladen, aber ob derjenige das dann wirklich annimmt, ist fraglich.

Dass Motivation 3.0 funktioniert, zeigt sich an Wikipedia. Tausende Menschen weltweit schreiben ohne Entgelt für das Portal. Wikipedia ist dabei so erfolgreich, dass das von Microsoft geschaffene Lexikon Encarta eingestellt wurde, obwohl Fachleute die Artikel verfassten. Doch nicht nur im World Wide Web funktioniert das. Vielleicht engagieren Sie sich auch ehrenamtlich in einem Verein oder machen bei einer Bürgerinitiative mit. Dafür bekommen Sie auch kein Geld. Sie sehen darin einen Sinn und bringen so die nötige Prise Selbstmotivation mit.

Arbeit ohne Pflichten

Dan Pink entwickelte daher ein Modell der Mitarbeitermotivation „ROWE“ (results only work environment). Das bedeutet, dass Menschen ohne Anwesenheitspflicht, ohne jegliche Pflichten arbeiten und nur das Ergebnis zählt. Konkret teilt er dieses Modell in drei Kategorien:

Autonomy

Machen Sie sich rar! Mitarbeiter wollen selbstständig arbeiten. Versuchen Sie doch einmal, Ihren Mitarbeitern aus dem Weg zu gehen und darauf zu vertrauen, dass sie schon etwas Interessantes anpacken.

Mastering

Wir lernen nicht für die Schule, wir lernen fürs Leben. Dass lebenslanges Lernen entscheidend ist, ist wohl inzwischen bei uns allen angekommen. Das gilt auch für Ihre Mitarbeiter. Sie wollen sich weiterentwickeln, ihr Wissen erweitern und in neuen Bereichen Experten werden. Es ist für jeden Menschen einfach wirklich befriedigend, in etwas Neuem wirklich gut zu werden.

Purpose

Mitarbeiter brauchen das Gefühl, an etwas Wichtigem zu arbeiten. Für fast jeden Menschen ist es nötig, in seiner Arbeit einen Sinn zu sehen.

Nach diesem Modell hätten Zuckerbrot und Peitschen also ausgedient: Motivation entsteht demnach nur durch Selbstbestimmung, Perfektionierung und Sinnerfüllung.

Laut Pink motiviert die Aussicht auf einen Bonus den Menschen nicht unbedingt zu besseren Leistungen. Konkret bedeutet das: Mitarbeiter müssen zwar das Gefühl haben, angemessen bezahlt zu werden, darüber hinaus sind aber die inneren Anreize wichtiger.

Google macht es beispielsweise vor: Zwanzig Prozent der Arbeitszeit dürfen Google-Mitarbeiter auf eigene Projekte verwenden. Durch diese Methoden entstanden übrigens Dienste wie Google Mail oder Google News.

Möglicherweise können Sie sich durch diese sogenannte Fedex-Methode inspirieren lassen.

Geben Sie Ihren Mitarbeitern Zeit, eine eigene Idee zu erarbeiten. Ganz unabhängig von den eigentlichen Aufgaben. Am nächsten Tag muss die Idee vorgestellt werden, vielleicht kann das ja Ihr Produkt verbessern und Ihren Umsatz steigern.

Letztendlich gibt es für die Motivierung von Mitarbeitern kein Erfolgsrezept – Galileo Galilei scheint mir jedoch mit seiner Aussage nicht ganz unrecht zu haben:

„Man kann einem Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.“

Was denken Sie? Der Gedanke, sich nicht den Ehrgeiz der Mitarbeiter "erkaufen" zu müssen, ist natürlich äußert symphathisch, birgt aber auch Risiken. Ist selbstständiges Arbeiten ohne Regeln und Vorschriften eher ein Anreiz für Ihre Mitarbeiter oder wären die Verlockungen der selbstbestimmten Zeit doch zu groß? Schreiben Sie uns doch dazu ein Kommentar!

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