Unfassbar! Ich habe eine Methode entdeckt wie Sie ohne Clickbait richtig viel Traffic generieren können! Clickbait-Firmen werden mich dafür hassen…

Mit Clickbait Traffic generieren oder lieber nicht?Wie Sie richtigerweise annehmen, geht es in diesem Text nicht um diese unglaubliche Methode, denn diese würde ganz einfach lauten: “Produziere hochwertigen und relevanten Content und es wird sich bezahlt machen (auch in Punkto Traffic)!”.

Stattdessen habe ich mich entschlossen, mal ein paar Zeilen zum Thema Clickbait (Klickköder) zu schreiben, weil eben dieses ein Phänomen ist, das einen mittlerweile auf Schritt und Tritt verfolgt, sobald man online geht.

Damit ist es auch irgendwie interessant für Marketer. Oder etwa nicht?

Clickbait bedeutet soviel wie “Klickfang” oder “Klickköder”.

Diese Methode zielt – wie der Name schon sagt – darauf ab, möglichst viel Traffic zu generieren.

Es sind Headlines wie diese: "Wenn du nachts ein gruseliges Gefühl in den Beinen bekommst, bedeutet es dies"

Ein gruseliges Gefühl in den Beinen? Was bitte soll das für ein Gefühl sein? Gruselig ist hier nur eines: Klickt man auf den Link, erwartet einen – Überraschung!!! – nicht der erhoffte Aha-Effekt oder eine außergewöhnliche Geschichte bzw. eine Gefahr, auf die der Text aufmerksam machen möchte.

Nein, man findet lediglich einen billig aufgemachten Blogpost über das Restless-Legs-Syndrom.

Mut zur (Neugier-)Lücke?

Den muss man haben, wenn man einen waschechten Clickbait-Artikel auf den Online-Lesermarkt bringen möchte…

Die Neugierlücke, auch genannt curiosity gap, ist das klaffende Fragezeichen, das bleibt, wenn man eine typische Clickbait-Überschrift genossen hat: Diese ist immer maximalst reisserisch. Und sie verrät gerade so viel, dass der Leser in Erwartung einer außergewöhnlichen Neuigkeit neugierig genug wird, um dem Link zu folgen.

“Was soll daran falsch sein?” mag man sich da fragen. Jeder, der im Internet Texte publiziert, möchte, dass diese von vielen Menschen gelesen werden, oder?

Stopp. Wenn man lediglich darauf abzielt, möglichst hohe Einnahmen durch Internetwerbung zu erzielen – die Höhe dieser steht schließlich in direktem Zusammenhang mit den Klickraten – möchte man vielleicht einfach nur Traffic. Wer sich dahinter verbirgt, kann einem in diesem Fall wohl tatsächlich egal sein.

Im Marketing aber ist der Gedanke “einfach nur viel Traffic” kurzsichtig.

Wenn der eigene Content von der falschen Zielgruppe konsumiert wird, ist er nutzlos. Produziert man nutzlosen Content, verursacht dies beachtliche Kosten, die durch kein Plus auf der Haben-Seite wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

Und selbst wenn sich unter dem durch Clickbait erzieltem Traffic theoretisch der ein oder andere “Treffer” (also ein Besucher, der zur eigenen Zielgruppe gehört bzw. der definierten Buyer Persona entspricht) befindet, fährt man ein hohes Risiko.

Warum?

Um diese Frage zu beantworten, möchte ich kurz zusammenfassen, wie Clickbait funktioniert.

  • Das Konzept setzt voll und ganz auf Emotionen, um eine möglichst hohe Aufmerksamkeit zu erreichen – und zwar mithilfe von reisserischen Headlines.
  • Die Emotion, die hier in erster Linie angesprochen wird, ist die Neugierde.
  • Das Konzept funktioniert. Tatsächlich lässt sich mittels Clickbait ordentlich Traffic erzeugen.

Clickbait-Texte vs. hochwertigen Content

“Geheime TTIP-Papiere enthüllt” titelte sueddeutsche.de am 1. Mai 2016 und landete damit unter den TOP 25 der News-Charts auf 10000flies.

Wenn ich diese Headline lese, macht sie mich neugierig. Wo ist also der Unterschied zum Clickbait?

Tatsächlich ist die Neugierde auch eine (!) Triebfeder für das Lesen journalistisch bzw. schriftstellerisch gehaltvoller Texte.

Der Unterschied hierbei ist:

Die Neugierde des Lesers wird beim Text der Süddeutschen befriedigt und zwar in der Regel mehr oder weniger vollumfänglich, denn der Artikel hält, was die Headline verspricht.

Des Weiteren erhält der Leser noch einen weiteren Mehrwert: Wissen zu einem bestimmten Thema. Und zwar zu einem Thema, für das er sich anhand der Überschrift bewusst entschieden hat.

Beides kann man bei einer Headline im Stil von “Dieser Mann blickte unter sein Bett. Was er dann sah, machte ihn schier verrückt” oder “Dieser Vogel klaute einen Silberlöffel. Was dann passierte, werden Sie nicht glauben” nicht behaupten.

Zum einen verstecken sich hinter diesen Worten in der Mehrheit Geschichten, die weit weniger außergewöhnlich sind als die Überschrift es suggeriert. Zum anderen, ist für den Leser anhand der Headline gar nicht ersichtlich, um was es genau bei dem Text geht.

Der Leser wird also absichtlich hinters Licht geführt.

Das hat Auswirkungen.

Clickbait: Tausche Vertrauen gegen Traffic

Der Leser ist irgendwann satt. Pappsatt. Nachdem er 20 solcher Links gefolgt ist, ist er nicht mehr neugierig, sondern enttäuscht und genervt.

Kleines “Aber”: Es soll Menschen geben, denen es nichts ausmacht, veräppelt zu werden. Sie lesen diese Geschichten immer und immer wieder und manchmal ist sogar eine Story darunter, die erzählenswert ist. Da wird dann wieder Mut geschöpft für die nächsten 20 hohlen Phrasen – Klicken kostet ja nichts!

Im allgemeinen ist es aber so, dass der Leser irgendwann genug hat. Die Folge dieser Enttäuschung ist ein Vertrauensverlust.

Im Marketing – und insbesondere im Inbound Marketing, das ja ganz besonders auf das Vertrauen seiner (potenziellen) Leads und eine langfristige Kundenbindung hinarbeitet – ist das im Grunde mitunter das Schlimmste, was passieren kann. Wer zu oft (oder überhaupt?) auf Clickbait-Traffic setzt, erhält also irgendwann die Quittung dafür. Und diese heißt Vertrauensverlust und/oder Imageschaden.

Abgesehen davon möchte ich als Autor auch keine solchen Texte schreiben. Mir ist bewusst, dass manche das arrogant finden. So what? Ich denke, man darf als Unternehmen (und auch als Texter) durchaus so “arrogant” sein und auch mal sagen “Nein, das machen wir nicht.”

Im Fall von Clickbait sollte sich die Frage aber ohnehin nicht stellen, denn die Klickköderei macht meiner Ansicht nach für seriöse Unternehmen keinen Sinn – zumindest dann nicht, wenn diese auf langfristigen Erfolg setzen.

Und zum Schluss:

Unfassbar! Dieses Video erklärt, was Clickbait ist. Sie werden nicht glauben, was Sie sehen!

 

 

Veröffentlicht am 18.05.2016 und zuletzt aktualisiert am 12.09.2016