Was unterscheidet Google+ von Facebook

Im nächsten Teil unseres Rundumschlags zum Thema “Social-Media-Marketing für Einsteiger” wollen wir Ihnen Google+ näher vorstellen.

Vielleicht werden Sie sich jetzt fragen: “Warum denn noch ein soziales Netzwerk? Ich bin doch schon bei Facebook.” Diese Frage ist auf dem ersten Blick nicht ganz unberechtigt.

Google+ wird häufig als Klon von Facebook missverstanden. Schließlich bietet Google+ mit dem "+1"-Button, der Möglichkeit Beiträge, Links und Fotos zu posten und zu teilen die gleichen Grundfunktionen, die es bei Facebook auch gibt.

Neben diesen offensichtlichen Gemeinsamkeiten weisen die beiden Netzwerke jedoch strukturelle Unterschiede auf, die ich in diesem Artikel erläutern möchte.

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Google+ ist nicht der erste Versuch des Suchmaschinengiganten, im Bereich der sozialen Netzwerke Fuß zu fassen. Mit Services wie "Buzz", "Wave" und "iGoogle" hatte Google bereits erste Anläufe unternommen, seine Dienste in ein "soziales" Umfeld einzubetten.

Google+ wurde im Juni 2011 offiziell gestartet. Obwohl eine Anmeldung in der Anfangszeit nur nach persönlicher Einladung eines bestehenden Nutzers möglich war, konnte der Dienst schon nach kurzer Zeit ein rasantes Wachstum verzeichnen.

So gab es bereits nach 88 Tagen 40 Millionen Anwender (Facebook brauchte für diese Zahl 1325 Tage).2013 wurden von Google 500 Millionen registrierte Nutzer gezählt, die aktiven Nutzer beliefen sich Schätzungen zufolge auf 300 Millionen. Die Bedeutung nimmt also mit rasanter Geschwindigkeit zu und ist nach Facebook das zweitgrößte soziale Netzwerk noch vor Twitter und Instagram.

Die Beziehungen der Nutzer zueinander

Bei Facebook kenne ich alle meine "Freunde". Einer virtuellen Vernetzung geht bei Facebook in der Regel ein Kontakt in der realen Welt voraus. Man stellt eine Kontaktanfrage, welche erst vom anderen bestätigt werden muss, wodurch ein gegenseitiger Austausch ermöglicht wird. Facebook dient dadurch also eher der Beziehungspflege zwischen bereits bestehenden Kontakten.

Google+ ist in dieser Hinsicht eher mit Twitter vergleichbar. Natürlich ist es auch hier möglich, dass man die jeweilige Person, die man in seine Kreise aufnimmt, tatsächlich kennt – das würde ich hier jedoch nicht als Regelfall bezeichnen. Eine Kontaktaufnahme basiert hier eher auf gemeinsamen Interessen. Man fügt Personen, die einem interessant erscheinen, bzw. die sich für die selben Themen interessieren, einfach zu seinen Kontakten hinzu und empfängt dadurch automatisch deren Postings. Ist diese andere Person auch interessiert an Ihnen und Ihren Beiträgen, wird diese Sie gegebenenfalls ebenfalls einkreisen.

In diesem Dokument  finden Sie eine umfangreiche nach Themen geordnete Sammlung von sogenannten "shared circles" – also Personengruppen, die für ein Thema (z. B. "Online Marketing") relevant sind und die Sie einfach per Mausklick zu Ihren Kontakten hinzufügen können.

Update Mai 2015: Leider hat Google die Möglichkeit, Kreise zu teilen wieder eingestellt.

Facebook ist ein Unternehmen – Google+ ist ein Dienst eines Unternehmens

Das mag zunächst nach Haarspalterei klingen. Ralph Scholze weist jedoch zurecht auf diesen Unterschied hin, der meiner Meinung nach nicht unerheblich für die "Nutzung" ist.

Facebook wie Google sammeln Nutzerdaten und verdienen beide ihr Geld mit Werbung.

Das Unternehmen Facebook ist mit seinem sozialen Netzwerk gleichzusetzen. Facebooks Umsätze werden – mangels Alternativen – zwangsweise innerhalb des Netzwerks erwirtschaftet. Dieser Umstand führte dazu, dass die organische Reichweite von Beiträge zurückgefahren wurde und die Facebook-Chronik immer mehr von Werbeanzeigen in und neben den Beiträgen der Nutzer dominiert wird.

Im Gegensatz dazu ist Google+ nur ein Produkt des Unternehmens. Das Geld, welches Google durch Werbung verdient, wird an anderer Stelle erwirtschaftet – also in den Suchergebnissen, Youtube oder auf Webseiten per AdSense. Dadurch ist Google in der Lage, andere Dienste wie Google+ werbefrei und kostenlos anzubieten.

Da sich der Umfang des Google-Kosmos stetig ausbreitet (Maps, Drive, Youtube, Gmail, Android, Search, All Access etc.) war es vor dem Hintergrund der Datenerhebung ein logischer Schritt, die Anmeldung zu diesen Diensten zu vereinheitlichen.

Google+ ist für Google das verbindende Element zwischen seinen diversen Angeboten und erweitert diese um eine soziale Komponente. Für Google erleichtert sich dadurch die Erstellung von Interessensprofilen von Nutzern, wodurch eine genauere Aussteuerung von Werbeanzeigen ermöglicht wird.

Facebook müsste Angst vor Google+ haben – aber nicht umgekehrt

Natürlich hat Facebook viel mehr aktive Nutzer als Google+.

Das Unternehmen ist jedoch auf die Nutzung seines Netzwerkes angewiesen. Sollte die breite Masse sich dazu entschließen, dem sozialen Netzwerk den Rücken zu kehren, hätte das fatale Auswirkungen für Facebook. Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht verwunderlich, dass die bei jüngeren Nutzern immer populärer werdende Foto-Plattform Instagram und die Messenger-App Whatsapp aufgekauft und einige Funktionen von Google+ bzw. Twitter übernommen wurden.

Facebook muss erfolgreich bleiben – Google+ nicht unbedingt. Natürlich wäre man auch bei Google nicht gerade glücklich darüber, wenn sich Google+ zum totalen Flop entwickelt. Dazu wurde ganz einfach viel zu viel Arbeit in das Produkt gesteckt. Google betont jedoch selbst, dass man sich nicht in Konkurrenz mit anderen sozialen Plattformen sehe. Vielmehr stehe bei Google+ der bereits geschilderte Gedanke im Vordergrund, alle Google-Dienste mit einer sozialen Sphäre zu verknüpfen. 

Das der Konzern keine Scheu hat, sich von Produkten zu trennen, die nicht den gewünschten Nutzen für den User bringen, beweist er in regelmäßigen Abständen. 

Das muss beispielsweise auch "Orkut" erfahren, ein weiteres soziales Netzwerk von Google, welches in Indien und Brasilien sehr verbreitet war und Ende September nach einer Übergangsphase nun endgültig abgeschaltet werden wird.

Onpage SE

Veröffentlicht am 08.09.2014 und zuletzt aktualisiert am 21.02.2017

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