Viel Arbeit = hohe Produktivität?

ProduktivitaetAchtung! Eine neuartige Krankheit hat nun auch Deutschland erreicht. Tausende sind bereits infiziert. Die Zahl der Neuerkrankungen steigt täglich. Die Symptome? Überstunden, Burn-Out, Übellaunigkeit und Versagensängste. Ob auch in Ihrer Firma das „Busy Bee Syndrom“ grassiert, und was Sie dagegen tun können, erfahren Sie hier.

Die tatsächliche Produktivität der Angestellten ist für viele Unternehmer recht schwer erfassbar. Natürlich gibt es einige Sparten, in denen Arbeitserfolge unmittelbar messbar sind: Vertriebsmitarbeiter werden anhand ihrer Verkaufszahlen beurteilt, Montagearbeiter nach der Stückzahl, die täglich vom Band rollt. Tätigkeiten, die nicht unmittelbar wertschöpfend sind, entziehen sich solchen einfachen Kriterien.

Trotzdem versucht man auch in diesen Bereichen verständlicherweise, die Arbeitsleistung der Mitarbeiter zu erhöhen. Ironischerweise ist es oft so: Je mehr ein Unternehmen danach strebt, desto stärker scheint diese zu schrumpfen. Regeln, Strukturen und Prozesse, die eigentlich die Produktivität steigern und dokumentieren sollen, schaffen stattdessen oft unnötige Verzögerungen und Bürokratie. Und: Vielfach wird das geschäftige Herumgewusel der Mitarbeiter als Produktivität mißdeutet, obwohl es nur auf schlechte Arbeitsorganisation hinweist.

Ob ein Unternehmen in diese Falle tappt, hängt vor allen damit zusammen, welches Verhalten der Mitarbeiter als erstrebenswert angesehen und durch finanzielle oder persönliche Anerkennung honoriert wird. Wo das „Busy Bee- Syndrom“ herrscht, sind das oft folgende Kollegen:

  • Der Mitarbeiter, der die meisten E-Mails versendet (… und sei es an seine Mutter)
  • Die Person, die die meisten Überstunden macht (… weil sie einfach zu viel herumtrödelt)
  • Die Person, die die meisten Dokumente erstellt (… weil sich immer wieder Fehler einschleichen)
  • Der Letzte, der das abends das Büro verlässt (… auch wenn er möglicherweise nur seinen eBay-Account pflegt)
  • Der Mitarbeiter, der am wenigsten Urlaub nimmt (… auch wenn er dadurch einen Burn-out riskiert)
  • Alle, die immer extrem beschäftigt wirken (... auch wenn sie nur in Facebook chatten)


Die meisten Unternehmer sind davon überzeugt, dass vor allem „fleißige Bienen“ zum Erfolg der Firma beitragen. Was ist aber überhaupt eine „Busy Bee“? Laut dem MacMillan Wörterbuch versteht man darunter: „someone who is always busy doing things“. Zu Deutsch also: jemanden, der stets beschäftigt ist. Klingt gut, oder? So sollte es doch eigentlich sein? Mitarbeiter, die voller Tatendrang ihre Aufgaben erfüllen.

Doch die eigentliche Frage lautet: Ist „busy“ immer besser? Wird die viele Arbeit auch effektiv erledigt? Werden die Ziele wirklich erreicht?

„Busy“ ist nicht besser

Letztendlich spielt es meiner Meinung nach keine Rolle, wie „busy“ jemand wirkt, wenn die Qualität der Arbeitsergebnisse nicht stimmt. Ein Mitarbeiter, der sein Zeitmanagement so optimiert hat (möglicherweise mit der GTD-Methode von David Allen), dass er seine Aufgaben in kurzer Zeit und mit hochwertigen Ergebnissen erledigen kann, trägt meiner Meinung nach mehr zum Firmenerfolg bei als jemand,der zwar jeden Tag gestresst wirkt, letztlich aber wenig konkreten Output zu verzeichnen hat.

Für mich ergeben sich daraus zwei Schlußfolgerungen:

  • Emsige Geschäftigkeit ist kein Garant für hohe Produktivität
  • Produktivität heißt Dinge erledigen, und zwar die richtige Dinge zur richtigen Zeit. Prioritäten setzen lautet das Zauberwort.

Um dem „Busy Bee Syndrome“ entgegenzuwirken, bedarf es folglich eines guten Zeitmanagements und verläßlicher Maßstäbe für Prioritäten. Allerdings sollte beides meiner Meinung nach nicht nur von den Mitarbeitern gepflegt werden.

Ein Zeitmanagementsystem wird mit höherer Wahrscheinlichkeit dauerhaft umgesetzt und kann den Alltag in einer Firma stärker verändern, wenn die Chefs ebenfalls an Bord sind. Es empfiehlt sich auch, die oben in Stichpunkten geschilderte „Anerkennungskultur“ zu überdenken und regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen. Gebe ich meinen Angestellten und Kollegen Anerkennung, weil sie so fieberhaft und unermüdlich arbeiten – oder weil sie bestimmte Einzelziele effektiv und mit gutem Ergebnis erreicht haben? Das ist für mich eine der wichtigsten Fragen, die sich Chefs und Mitarbeiter stellen sollten.

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Veröffentlicht am 14.08.2014 und zuletzt aktualisiert am 11.09.2017

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